Donnerstag, 6. Juli 2017

Die Sache mit dem Film

Eine Verfilmung des Perry-Rhodan-Stoffes scheint eins der heißesten Eisen der Seriengeschichte zu sein. Zwar gibt mit "Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall" eine Verfilmung aus dem Jahr 1967, die sehr lose auf dem Roman "Unternehmen Stardust" basiert, aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Die eine Hälfte der Rhodanisten findet den Film so schlecht, dass sie ihn am liebsten verbannen würde, die andere Hälfte findet das Machwerk so schlecht, dass sie ihn zum Kultfilm erhoben hat. Dazwischen ist nicht viel Platz für andere Meinungen. Ich tendiere eher in die Kultfilmecke, weil ich seit jeher ein Herz für schlechte Filme mit guter Musik habe. Aber ganz ehrlich: guter Film geht anders. Bei Licht betrachtet ist das Ding schon ziemlich gruselig.

Trotzdem ist das Thema Film nie ganz vom Radar verschwunden und lässt keinen Leser so richtig los. Auf Youtube tummeln sich eine ganze Menge richtig guter Fanverflimungen und ich erinnere mich noch rege an den Filmwettbewerb zum Weltcon 2011.
Die Redaktion nutzt die Aufmerksamkeit, die das Thema Film innerhalb des Fandoms erregt, von Zeit zu Zeit sehr geschickt, indem sie beispielsweise solche Artikel veröffentlicht: "Perry Rhodan kommt ins Kino". Netter Klickbait, schicker Trailer, gute PR.

Bei der Lektüre von Band 166 bin ich kürzlich über einen sehr ausführlichen Leserbrief gestolpert, der das Thema aufgreift. Der Band liegt mir in der dritten Ausgabe vor, sodass ich in den Genuss einer Leserkontaktseite kam, die damals noch auf den ersten Heftseiten zu finden war und von William Voltz betreut wurde. Neben einer Reihe anderer Punkte wird dort eine Perry-Rhodan-Fernsehserie ins Spiel gebracht, nachdem "SOS aus dem Weltraum" mit der nötigen Ehrfurcht genannt wurde ;)

Tja, und was schreibt Herr Voltz zum Thema Fernsehserie?
"Sie können sich darauf verlassen, dass wir niemals von diesem Vorhaben ablassen werden."

Dürfen wir dich beim Wort nehmen, Klaus? Sind die Worte des Altmeisters für den aktuellen Redakteur noch bindend?

Da steht es, schwarz auf grau - "wir werden niemals von diesem Vorhaben ablassen" - »Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«

Auf dem Titelbild gibt es übrigens diesen wundervollen Blue zu sehen, der es leider noch nicht ins Kino geschafft hat - »Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«
Nee komm, jetzt mal Scherz beiseite. Klar wäre ein Perry-Rhodan Film toll. Und die von William Voltz angeführten Kosten für Special Effects dürften auch kein Argument mehr sein. Trotzdem glaube ich nicht an einen Perry Rhodan Film.

  • Die Serie ist international nahezu unbedeutend. Welches Studio sollte da Geld investieren, wenn es Marvel-Blockbuster wie Sand am Meer gibt.
  • Die deutsche Filmindustrie fasst das Thema SF höchstens mit der Kneifzange an. Mehr oder weniger rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel.
  • Welches Heft sollte man verfilmen? Klar "Mission Stardust", aber mit der Optik und der Handlung lockt man heute niemand mehr hinter dem Ofen vor. Echt nicht.
Und wenn man den Stoff modernisiert? Möööp! Schlimmes Buzzword. Wer im einschlägigen Forum mal zu Pery Rhodan Neo nachliest, wird schnell merken, dass Modernisierungen bei einem Teil der Leserschaft nicht wirklich gut ankommen. Wie wären die Reaktionen da erst bei einem Film.
Übrigens: Ich find Neo total klasse und halte es für eine äußerst gelungene Serie, der ich noch viele, viele Hefte wünsche. Gerade die Anfangshefte lesen sich wie ein richtig guter SF-Film.

Und damit sind wir beim Grundproblem, an dem auch die neuen Star Trek Serien zu knacken haben: Für welche Zielgruppe ist der Film gedacht?

Ein Film für Hardcorefans, die jede Niete auf jedem Kugelraumer beim Vornamen kennen? Ah, geh ... Wirtschaftlicher Wahnsinn. Klar wäre ein Star Trek Film in der klassischen Schuhkartonoptik ziemlich großartig, aber den würden nur alte Säcke und Säckinnen sehen wollen. Und wie einschnürend ein umfangreicher Kanon auf einen Film wirken kann, hat Star Trek 10 gezeigt. Was für ein unrühmlicher Abschied (zumindest in meinen Augen).

Ein Film, der das Thema neu interpretiert? Keine Chance. Science Fiction Fans sind bemerkenswert konservativ und - zumindest was Star Trek und Perry Rhodan angeht - zum allergrößten Teil sehr kanonfixiert. Man erinnere sich nur an den Aufschrei, als Meister Abrams es gewagt hat, den Star Trek Kanon durch einen kleinen Kniff obsolet zu machen. Der damalige Film war zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber wer Lust hat, sich eine blutige Nase zu holen, darf den Streifen gerne mal in einem Star Trek Forum als zukunftsweisend und absolut notwendig für das Franchise loben. (Viel Freude, ich bin schon mal Popcorn holen ...)

Vor diesem Hintergrund bin ich fast froh, dass uns ein Perry-Rhodan Film bis jetzt erspart geblieben ist. Außerdem ist Perry für mich Kopfkino, für das ich keine bewegten Bilder brauche. Schon die beiden vorhandenen Comicserien finde ich da eher grenzwertig, wenn ich die aktuelle Cross Cult Reihe auch ganz gerne lese.

Und bei euch? Wie schaut es aus. Perry-Film ja oder nein? Hinterlasst mir einen Kommentar.

Kommentare:

  1. Ich kann mir aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen gar nicht erlauben, hier einen Kommentar zu veröffentlichen ... grins.

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    1. Alles Andere hätte mich auch allerschwerstens gewundert *zurückgrins*

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  2. Martin, das hast du gut zusammengefasst. BTW, hast du vielleicht irgendeinen Link zu einem Hasskommentar auf NEO "griffbereit"? Ich brauche ein Beispiel für einen Artikel, an dem ich gerade schreibe.

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    1. Hi Columbus,
      das PR-Forum auf der Verlagswebseite ist ein Quell steter Freude zu diesem Thema. Nimm mal diesen Thread als Anhaltspunkte. Er bündelt meiner Meinung nach die wichtigsten Meinungn und Stimmungen gegen PRN:
      http://forum.perry-rhodan.net/viewtopic.php?f=21&t=2789

      Neben vielen sachlichen Argumenten gibt es auch einige Äußerungen, die deutlich unter meiner geschmacklichen Gürtellinie liegen.

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  3. Ich kann Dir sowas von nur zustimmen.
    Vor allem bei der Zielgruppe Hardcorefans: Neben Deinem Punkt, haben wir dann auch noch das Problem, das ein Film nie 100% so sein kann wie etwas geschriebenes, und jeder schon seine Vorstellungen hat. Und dann meckert wenn der Film diesen Vorstellungen nicht entspricht.

    Für mich selbst: Kopfkino bei PR ist so genial, da kann eh kein Film dran tippen...

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    1. Wobei ich mir die Hörspiele zu den Planetenromanen durchaus gefallen lassen. die unterstützen mein Kopfkino eher. Raumkapitän Nelson, mein ewiger Held ...

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  4. Meines Erachtens wird es in Zukunft keinen PR-Film geben. Die Gefahr, die Fans zu enttäuschen, ist einfach zu groß. Und welche Geschichte aus dem gigantischen PR-Universum sollte man verfilmen? Jeder Leser stellt sich die PR-Figuren im Kopfkino auch unterschiedlich vor.
    Lieber galaktisches Kopfkino als enttäuschender Film. Obwohl technisch heutzutage alles machbar wäre. Das zeigen schon die Fan-Filme.

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  5. Einen PR-Film sehe ich in der Zukunft nicht, eher eine TV-Serie vielleicht. Nachdem ich Filme wie "Space Pirate Captain Harlock" oder "Appleseed: Alpha" gesehen habe, frage ich mich, ob man PR nicht als Animationsfilm machen könnte. Grade in Japan erfreut sich unser Weltraumheld auch großer Beliebtheit, was sich auch an der dortigen Veröffentlichung von PR-Neo zeigt. Grade "Harlock" hat mich stilistisch mit seinem Retrocharme an PR erinnert. Warum sollte man vielleicht nicht für einen möglichen Film oder eine TV-Serie auch mal nach Japan schauen...

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    1. Harlock war in der Tat großartiges Kino. Reizvollfinde ich den Gedanken schon ...

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  6. Als Hardcore-Fan würde ich mich einerseits ja schon über einen gut gemachten Film oder noch mehr über eine gut gemachte Serie freuen, aber andererseits bin ich im Laufer der Jahrzehnte da doch sehr viel realistischer geworden und glaube nicht mehr daran, dass das was werden könnte. Weder aus finanzieller (wer will das denn auf die ganze Welt und nicht nur auf die deutschen Fans bezogen sehen?) noch aus inhaltlicher Sicht. Die Serie ist einfach zu kopmplex dafür geworden. PR NEO wäre da zwar ein guter Ansatz, aber da halte ich mich lieber raus, weil ich die Serie nicht mehr verfolge. Nicht, weil ich sie für schlecht hielte, sondern weil ich für mich selbst einfach entscheiden musste, welche Serie ich lesen will und welche nicht. Und da konnte NEO nur verlieren.
    Ganz davon abgesehen gibt es für Buch-Verfilmungen wesentlich besseres Material, wie ich immer wieder feststellen kann. Ich bin gerade in den letzten Zügen des Endymion-Omnibus von Dan Simmons und was da an fantastischen Welten aufgezeigt wird, da fallen die allermeisten PR-Welten dagegen doch gnadenlos durch. ;)

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    1. Ich muss dir in allen Punkten Recht geben und bereue dies in keinster Weise ;)
      Wobei ich demnächst mal wieder einen NEO-anlauf wage. die neue Staffel hat mich schon extrem angefixt.

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