Montag, 17. Juli 2017

Andromedings - Eine Rückschau am offenen Hefte - Teil 1

ES, irgendwelche Kosmokraten, NEO-Expokraten oder schlicht der Zufall wollten es, dass ich sowohl den klassischen Zyklus "Die Meister der Insel" als auch die Perry-Rhodan-NEO Staffel "Die zweite Insel" parallel lesen kann. Beides zum allerersten Mal, was mir vor einigen Wochen auch schon ein signiertes Plakat zu NEO 150 eingebracht hat. Vielen Dank noch mal nach Rastatt.

Nach der Niederlage von Iratio Hondro kann es nun also endlich losgehen. Ich habe mir vorgenommen, bei diesem Zyklus nicht nur meinen Abschlusseindruck zu hinterlassen, sondern immer mal wieder zwischendurch kurz innezuhalten und ein wenig meine Eindrücke zu schildern.
Mein Vorwissen zum klassischen MdI-Zyklus beschränkt sich auf einige prominente Schlagworte, wie "Faktor", "Icho Tolot", "Mirona Thetin". Bei Neo habe ich zwar alle Texte da (alte Sammlerseele ...), bin aber irgendwo nach der dritten Staffel ausgestiegen und habe fortan nur noch wenige Einzelbände gelesen, habe also auch mit Sicherheit einige recht große Wissenslücken.

Doch nun genug der Vorrede.

Die klassischen Meister der Insel

Im klassischen Zyklus bin ich in den letzten Tagen bis zum Band 211 vorgedrungen. Im Einzelnen kenne ich bis heute folgende Hefte:

200 - Die Straße nach Andromeda (K. H. Scheer)
201 - Sternstation im Nichts (Kurt Mahr)
202 - Die Retter der Crest (Clark Darlton)
203 - Die Stadt der Verfemten (William Voltz)
204 - Das Drung (Kurt Brand)
205 - Der Wächter von Andromeda (H. G. Ewers)
206 - Die Schrecken der Hohlwelt (Kurt Mahr)
207 - Die 73. Eiszeit (William Voltz)
208 - Die blauen Herrscher (Kurt Brand)
209 - Im Banne der Scheintöter (Clark Darlton)
210 - Auf den Spuren der Crest (H.G. Ewers)
211 - Geheimwaffe Horror (K. H. Scheer)

Stark fand ich Band 200, der mit Icho Tolot einen Charakter brachte, der im Gegensatz zu Lemy Danger von der ersten Zeile an funktioniert hat und nicht bloß am Rand herumsteht und auf seinen Partner schimpft (Pfirsich Melbar ist ja immer noch dabei. Upsi. Wie hat der das denn geschafft?)
Und das Sonnensechseck war natürlich auch eine großartige Idee.
Ein wenig rätselhaft bleibt für mich das Motiv des Sprungs nach Andromeda. Zwar gab es da bei den Blues mal ein paar Andeutungen, aber das Hauptmotiv scheint doch zu sein: "Hey cool das ist unmöglich, lass mal machen" - im Grunde also die von Atlan schon oft zitierte nicht zu bremsende Entdeckungslust der Terraner. Nun gut, sei es so, in der Milchstraße wäre bestimmt auch noch Platz gewesen.

Was dann folgt, ähnelt der klassischen Computerspieldramaturgie. Man landet, weil das Triebwerk fehlt, nicht direkt in Andromeda, sondern auf einer Zwischenstation, die sich - wie könnte es anders sein - schnell als Falle entpuppt, der es zu entrinnen gilt. Level für Level geht es durch die einzelnen Fallen, bis es ein wenig langweilig wird, und die Level in der Hohlwelt sogar räumlich greifbar werden. Das hat mich ein wenig an das Motiv der 25 Unsterblichkeitseier erinnert.
"Lass mal was verstecken, Karl Herbert."
"Ist klar Walter, dann können wir das so lange ziehen, wie es uns passt."
Dramaturgisch unschön, aber Rettung naht, Perry und seine Kumpels landen in einer Falle, die sie winzig werden lässt, und der sie nicht innerhalb von 64 Seiten entfliehen können. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bis jetzt empfinde ich den Zyklus als leicht verdauliche Abenteuerkost mit ein wenig Foreshadowing (immerhin wurde die Existenz ominöser Meister schon mal angedeutet), allerdings weit davon entfernt, einen Legendenstatus zu rechtfertigen.

Vermutlich bin ich zu unsentimental. Mal schauen, wann die Handlung endlich Fahrt auf- und das Fallengehoppse abnimmt.

Was mir richtig gut gefallen hat, waren die Hefte von Kurt Mahr. In den vorangegangenen Zyklen konnte ich mit seinen Romanen wenig anfangen, vor allem, wenn er sich in die Bekämpfung irgendwelcher Aufständischer verstiegen hat. Das war mir viel zu autoritär und atmete doch schon sehr den Geist der konservativen frühen Sechziger. Ganz anders bei den Meistern der Insel. Hier darf er wieder der Physiker vom Dienst sein, und schafft es sogar, die Grundlagen der Kernchemie in einen Roman einzubauen. Das hat mir gut gefallen, so darf das gern weitergehen.

Ein Blick nach Neodromeda

Nach elf Heften in zwei Tagen habe ich eine kleine Perrypause eingelegt, und mich folgenden NEO-Heften gewidmet:

150 - Sprung nach Andromeda (Rüdiger Schäfer)
151 - Werkstatt im All (Arno Endler)

Dabei gehört Band 150 pro forma ja noch zum vorangegangenen Zyklus. Da Rüdiger Schäfer den Band aber in einem Interview selber als einen Übergangsband außerhalb der starren Reihenfolge bezeichnet hat (wenn auch nicht wörtlich, sondern eher sinngemäß) gehört er für mich zum Andromedazyklus. Das wird der Herr Rhodan schon verschmerzen.

Band 150 zeichnet einerseits das aus, was ich in den ersten drei NEO-Staffeln wirklich toll fand. Herr Rhodan ist keine Abziehfigur eines Superhelden, sondern ein Mensch mit Ecken, Kanten und Fehlern. Exemplarisch möchte ich nur die Stelle am Anfang nennen, an der Rhodan bei der Aufzählung seiner Familie seinen Stiefsohn vergisst, und diesem damit große seelische Schmerzen zufügt. (Was? Wie? Perry hat einen Stiefsohn? Ich muss da glaub ich mal was nachlesen. Wie passiert den so was?)
Von einer zerstörten Erde (Häh! Ich muss echt mal nachlesen. Bald sind ja wieder lange Winterabende) brechen Perry und seine Kumpels nach Andromeda auf. Die Motivation bleibt mir zunächst etwas unklar. Kann es nicht auch in der Milchstraße eine neue Heimat geben? Muss man dazu gleich so weit weg? (Jaha, ich werd das nachlesen, ist gut jetzt!) Erst im Nachfolgeband steht dann was davon, dass man Atlan und Mirona Thetin finden müsse (Häh? Die gibt es im Neoversum schon? Herr, lass Winter werden, ich muss lesen ...)

Nach all der Menschelei folgt dann andererseits ein klassisches Abenteuer, das mich von seiner Struktur her doch stark an klassischen Perry Rhodan erinnert hat. Das Raumschiff wird scheinbar vom Alien der Woche gekapert, es rumst ordentlich und am Ende war alles ganz anders. Viel perryöser geht es nicht. Ich habe mich zeitweise wie in einem Crossover aus "Aliens" und "Tribbles" gefühlt und musste doch das eine oder andere Mal an PR 209 - Im Banne der Scheintöter denken; nur diesmal mit Spinnen statt mit gelben Äffchen.

Schöner Auftakt, wenn mir auch Icho Tolot fehlt, von dem ich weiß, dass es ihn im Neoversum schon gibt. Dafür ist Eric Leyden mit an Bord - dieser uneheliche Sohn von Sheldon Cooper und Gregory House. Großartiger Charakter und so viel plastischer und noch viel nerviger als sein Namensvetter Tyll Leyden aus dem klassischen Perryversum. In meinen Augen ist der frühstücksgeile Katzennarr ein absoluter Höhepunkt des Neoversums.

Etwas ratlos ließ mich dann Band 151 zurück. Zwar ist mir KA-preiswert namentlich aus dem Perryversum bekannt, trotzdem fehlt mir hier eine direkte Vergleichsmöglichkeit. Mal schauen, wann KA-preiswert im klassischen Zyklus auftaucht.
Meiner Meinung nach krankte das Heft ein wenig daran, was vielen NEOs gern vorgeworfen wird: ist Perry Rhodan einfach nur doof oder komplett verzweifelt? Ich lass doch niemanden an meiner Karre rumschrauben, den ich nicht kenne und irgendwas einbauen, wovon ich keine Ahnung hab. Und schon mal gar nicht, wenn ich mal eben in der Nachbargalaxie bin. Sollte Rhodan verzweifelt sein, kam mir persönlich da nicht genug durch. Sollte der NEO-Rhodan einfach nur doof sein, fände ich es schon fast wieder cool. Man überlege nur mal, mit welcher Hemdsärmeligkeit der Klassikrhodan in den ersten 199 Romanen durchs all düst und mal eben Imperien aufbaut und zerschlägt. Ein bisschen doof ist das doch auch, oder?

Wurst, in NEO 151 gefiel mir das Dauergeflirte. Endlich mal Sex and Crime nach 211 Heften 60er-Prüderie. Ich hab die Szenen um den hilflosen Tim Schablonski, seine außerirdische Verehrerin und seine eifersüchtige Freundin gern gelesen.

Lassen sich "Die Meister der Insel" und "Die zweite Insel" vergleichen?

Vergleichen lässt sich bekanntlich alles miteinander. Fraglich ist nur, ob das auch sinnvoll ist. Schließlich haben sich das Perryversum und das Neoversum einfach viel zu weit auseinanderentwickelt.
Bis jetzt habe ich nicht das Gefühl, einen Abklatsch oder ein billiges Remake zu lesen. Vielmehr startet mit Band 150 wohl eine spannende SF-Geschichte über 10 Bände, die sich bekannter Motive aus den Meistern der Insel bedient. Wie geschickt, spannend und unterhaltsam das wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

Derzeit liegen die Hefte bis 220 sowie NEO 152 von Kai Hirdt auf meinem Tisch. Mal schauen, wann ich das nächste Mal Rückschau halte.

Kommentare:

  1. Trotzdem auch der klassische zyklus mdi etwas schleppend anfängt doch kein Vergleich zu neo mit der menschelei pr stiefsohn ? Sex? Ich wehre mich dagegen immer modernisieren zu wollen pr hat seine wurzeln in den 60er das eben ist pr neo ist ich weiss nicht was sollte es nicht pr heißen würde ich mich wahrscheinlich nicht so darüber aufregen !

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    1. Ich glaube, ich genieße da einfach, um Helmut Kohl mal zu paraphrasieren "die Gnade des späten Einstiegs". Ich war 2011 in Mannheim dabei, als Frank Borsch das damalige Projekt X den Fans vorgestellt hat.
      Für mich ist das genau so Bestandteil des Mythos Perry Rhodan wie die Erstausgabe, Action, die Taschenbücher oder Atlan. In allen Variationen des Perry-Themas gibt es viel Gutes und auch einiges an Mist. Da mag sich ja jeder raussuchen, was ihm/ihr gefällt.
      Und ich bleib dabei, Neo 150 ist näher am klassischen Perry Rhodan, als manches kosmologische Geschwurbel im Neuroversum. ;)
      Aber ich glaube, das könnten wir ewig diskutieren, ohne uns einig zu werden, oder ;)

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    2. Mit dem Neuroversum geschwubbel sind wir uns einig aber die Gnade war der frühe Einstieg 1966 glaube mir

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  2. Warte nur, die KA-Preiswert kommt schon noch (PR 250), aber zuvor musst du dich noch ein wenig mit den Mobys und den Maahks rumquälen. :-)

    Für's bessere NEO-Verständnis empfehle ich die Romane ab Band 101, darin wird eigentlich alles erklärt, was man zu Band 150 wissen muss.

    Interessant wird der MdI-Zyklus erst ab den Lemuria-Abenteuern (ab PR 264) Grundsätzlich finde ich den Zyklus aber nicht so gut wie Phlophos. Ich denke, dass da von den Fans viel nostalgisch verklärt wird.

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    1. Hi Christina,

      an den Maahks bin ich heute vorbei gekommen. Lässt sich eigentlich ganz gut an. Sogar der große Atlan hat Muffensausen. Mal schauen, wie das wird. Was die Verklärung angeht, erlaube ich mir noch kein Urteil, tendiere aber nach 17 Bänden doch ein wenig in deine Richtung. Mal schauen, was wird. Schön finde ich, dass verschiedene Handlungsebenen doch mehr zusammenspielen, als bei den vorhergegangenen Abenteuern.

      Neo hat mich mit den Bänden 150-152 wieder so sehr gepackt, dass ich gerade darüber nachdenke, wie ich das in meinen Leseplan einbaue. Natürlich nicht nur die aktuelle Handlung, sondern auch die Staffeln, die ich noch nicht kenne. Wenn ich da ein Heft pro Woche aufhole, sollte das irgendwie machbar sein. Vermutlich aber erst, wenn Terminus gelaufen ist. Schließlich will ich ja auch noch ein bisschen was anderes tun. Die "neuen" Expokraten scheinen echt einen ganz guten Job zu machen. Mal schauen, was daraus wird.

      Ad Astra

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  3. Ich glaube, die Verklärung des MDI-Zyklus hat auch viel damit zu tun, dass hier tatsächlich der erste echte Zyklus aufgebaut wurde, also eine stringente Geschichte, und das auch noch groß über 100 Bände. Vergleichsweise war ja vorher nur klein-klein gearbeitet worden. Und mit der dem zeitlichen Abstand wächst auch die eigene Distanz. Als ich als Kind zuerst die Hefte las, war die Begeisterung noch größer als zuletzt, als ich die Silber-Edition hörte. Da fielen die unglaublich vielen Fehler wesentlich mehr auf, obwohl es sich um eine korrigierte Version handelt. ;)
    Aber der Qualitätssprung in der Konzeption ist schon beträchtlich und sollte nicht zu kurz kommen. :)

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    1. Ja, manchmal frage ich mich auch, wie mir MdI gefallen würde, wenn ich den Zyklus im jugendlichen Leichtsinn das erste Mal gelesen hätte. Ich hatte ein ähnliches Erlebnis mit Catweazle. Als Kind hab ichs geliebt, Jahrzehnte später fiel mir die unglaublich schwache Dramaturgie der Serie auf.

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    2. Mist, ich wollte mir in letzter Zeit immer noch mal Catweazle ansehen. Jetzt überlege ich, ob esdabei auch den Captain Future-Effekt geben würde. Bei der Serie war man als Kind komplett begeistert, aber als Erwachsenem fallen einem natürlich nicht nur die Fehler auf, sondern auch noch die vielen fehlenden Stellen, weil jede Folge in der deutschen Version gekürzt wurde.

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