Freitag, 22. September 2017

Nur ein paar Gedanken zum Andromedings

Ich hab mir in den letzten Tage ein paar Gedanken gemacht. Kann sein, dass die wirr sind, aber ich schreib sie trotzdem mal auf. Mal schauen, wie ich in sieben Jahren darüber denke, wenn ich zurückblicke.

Ich lese ja gerade zum ersten Mal den Zyklus um die "Meister der Insel". Schon als ich 2011 in Mannheim so richtig mit der Perry Rhodan Serie in Berührung kam, war der einhellige Tenor unter den Fans: "Das ist der BESTE Zyklus aller Zeiten." Dicht gefolgt von: "Danach ging es bergab."
Da ich ja zu den Spätinfizierten gehöre und damals völlig fasziniert war, welche Welt sich mir mit dem Perryversum auftat, war für mich nur schwer zu glauben, dass etwas noch besser sein könnte, als der damals aktuelle Zyklus.

Höre ich mich heute um, gibt es immer noch Stimmen, die nichts auf MdI kommen lassen, wobei sich in diesen Chor auch immer mehr Töne mischen, die da lauten: "Also, so würde man das heute nicht mehr schreiben. Die Dramaturgie ist so vorhersehbar. Der Gegner kommt so unangekündigt. Der Stil ist hölzern." undsoweiter, undsoweiter ...

Ja, was denn jetzt?

Das Schöne am Heftehaufenblog ist ja für mich, die Diskussion mit anderen Fans. (Von der Meinung, das hier sei ein reines Lesetagebuch, bin ich glaube ich schon Ende Januar abgerückt ;) Das ist es zwar auch immer noch, aber ich liebe den Austausch mit anderen Lesern und Sammlern in den Kommentaren, auf Twitter oder Facebook. Einfach mal "Danke" an dieser Stelle.)

Jedenfalls, Meister der Insel, Kommentare. Gedanken ....

Was ist eigentlich das Maß für "Gut"?

Ich betrachte den MdI-Zyklus aus zwei Richtungen. Von vorne und von hinten, sozusagen.
Lese ich den Meister der Insel Zyklus ausschließlich vor dem Hintergrund der ersten 200 Perry-Rhodan-Romane, so bleibt gar keine Wahl, als das Ding großartig zu finden.
Zum ersten Mal gibt es keine Nummernrevue mehr, keine parallelen Handlungsstränge, die fast berührungslos nebeneinander herlaufen. Perry und seine Kumpels springen nicht mehr planlos von hier nach da und wieder zurück. Alles baut aufeinander auf, mit dem klaren Ziel, die Meister der Insel, und damit das Böse schlechthin zu finden. Dabei werden geschickt alte Fäden (die Sache mit den Posbis z.B.) aufgegriffen, mit neuem Garn versponnen. Für die körperliche Ähnlichkeit von Arkoniden und Menschen wird eine spannende Erklärung geboten (Ich hasse Zeitreisen ...) - alles folgt einem Plan über einhundert Hefte.
Das ist neu, das gab es noch nicht, das ist großartig.

Nun habe ich aber, um Helmut Kohl zu paraphrasieren, das Pech der späten Geburt. Meine Expokraten sind Uwe Anton, Christian Montillon und Vim Vandeman - versierte Geschichtenerzähler, in Wolle gefärbte Perrykenner und große Träumer, die wissen, wie man eine moderne Dramaturgie aufzieht. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, habe ich 2011 dabei gesessen, als Frank Borsch den Fans Perry Rhodan Neo nahebrachte, eine Serie, die alte Namen nimmt und einen komplett anderen, moderneren Ansatz fährt und viel mehr auf die einzelnen Personen fokussiert. Ich las "Vision Terrania" und aus dem Holzschnitt Pery Rhodan der 60er wurde ein lebendiges Bild.
Vor diesem Hintergrund müsste ich eigentlich sagen: "Geh mir fort mit dem alten Zeug. Das ist hölzern, das ist platt, das ist vorhersehbar."

Doch halt!

Würde ich vor dem Hintergrund meiner Lesesozialisation die Altmeister der Insel in Bausch und Bogen verdammen, würde ich zwei wesentliche Faktoren übersehen: die Patina und die Alterung.

Ich erinnere mich, als Kind, die "Dreibeinigen Herrscher" gesehen zu haben. Diese BBC-Serie mit den bedrohlichen Monstern, die die Menschheit unterdrückt. Keine Folge durfte ich da verpassen.
Auch, als ich die Serie vor zwei Jahren noch einmal neu geschaut habe, war ich gebannt, hatte Szenen von früher vor Augen und musste beide Staffeln so schnell wie möglich anschauen, weil die alte Faszination wieder da war.
Und dann habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich habe das Medium gewechselt und die Romanvorlage von John Christopher gelesen, was ich als Kind nicht getan habe. Und was soll ich sagen, es war eine Katastrophe.
Bei Licht betrachtet fand ich die vierbändige Trilogie um die dreibeinigen Herrscher ziemlichen Unfug, durchweg schlechte Science Fiction und nur in Maßen zu ertragen.
Ich habe lange nachgedacht, wo der Unterschied lag, bis mir klar wurde, dass mir für das Buch jedwede wohlwollende Erinnerung fehlt. Im Gegensatz zur Fernsehserie hatte sich über das Buch für mich keine Patina aus Faszination und Erinnerungen gelegt.
Ähnlich geht es mir mit den alten ???-Hörspielen und Büchern. Dramaturgisch mag der Band 100 "Toteninsel" aus der großen Detektivserie ja tausendmal besser sein, als etwa der "Superpapagei", aber ich habe eben dem dicken Mister Claudius beim Einschlafen zugehört. Und unter einer dicken Schicht aus Nostalgie tu ich das immer noch.
Nur leider fehlt mir dieser Patina-Faktor bei den Inselmeistern wegen meines verspäteten Einstieges. Dennoch glaube ich, könnte hier ein Grund für die ungebrochene Beliebtheit dieses Zyklus liegen.

Der zweite, vermutlich etwas weniger subjektive Faktor, ist die Alterung eines Werkes.
Letztens habe ich zum allerersten Mal den ersten Terminator-Film gesehen. (Schande über mich, dass es nicht schon eher war.) Dieser Film aus dem Jahr 1984 ist derartig zeitlos groß, dass es völlig egal ist, ob er nicht in zeitgemäßem Tempo oder mit schlimmen optischen Effekten daherkommt. Der Film war damals gut, und zwar so gut, dass er auch nach 30 Jahren noch gut ist. Ähnliches gilt meiner Meinung nach für "Der Pate" und Picards Enterprise (mit Ausnahme der Kinofilme).

Und vor diesem Hintergrund, dem Hintergrund der guten Alterung, kann ich nicht anders, als vor den Meistern der Insel meinen Hut zu ziehen. Mag manches noch so vorhersehbar, manches noch so hölzern sein, das was K.H. Scheer und die damaligen Autoren in diesem Zyklus geschaffen haben, ist einfach auch nach 50 Jahren noch verdammt gute Science Fiction.

So, und jetzt bitte, Diskussion frei. Sind die Meister der beste Zyklus aller Zeiten? Habe ich kompletten Murks geschrieben? Waren die Meister noch nie der beste Zyklus, sind die Atopen viel cooler?
Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare hier und drüben bei FB und Twitter.

Montag, 18. September 2017

Andromedings - Eine Rückschau am offenen Hefte - Teil 4

Ich schiebe das nächste Andromedings einfach jetzt schon hinterher, weil ich schwer begeistert bin von dem, was ich da zu lesen bekomme.

Achtung, der Abschnitt über den Neo-Roman 156 enthält einen Spoiler.

Im klassischen Zyklus "Meister der Insel erfreuten mich:

251 - Die Armee der Biospalter
252 - Die Welt der Regenerierten
253 -Vorstoß in die Dunkelwolke
254 - Die Geistersonne
255 - Sperrzone in Andromeda
256 - Im Reich der Zentrumswächter
257 - Der Dreitöter
258 - Die Mikro-Henker
259 - Der unheimliche Roboter
260 - Gespenster der Vergangenheit
261 - Die Fabrik des Teufels
262 - Der Meisterplan

In der Neo-Staffel "Die zweite Insel" begeisterte mich Oliver Plaschka mit:

156 - Die Schmiede des Meisters


Fangen wir mit den Klassikern an. Nach einem eher zähen Anfang und einer Reihe langweiliger Füllhefte in den 240ern, geht in Andromeda endlich die Post ab. Band 250 ist mir mit seiner großartigen Landeszene immer noch bestens in Erinnerung, obschon sich mir immer noch nicht die Notwendigkeit erschließen will, solchen einen Koloss auf einem Planeten zu landen. Aber das scheint im Perryversum kein Problem zu sein. Ich nehm das einfach mal hin. Nach einer kurzen Unterbrechung bei Whisky und Dinosauriern in 251 und 252, entführte mich jedes Heft in eine neue phantastische Welt. Kalak ist großartig und diese Pflanzenwesen ... ein Traum.
All diesen Phantastereien bieten Scheersche Kracherei und Mahrsche Spionageabenteuer einen tollen Kontrast. Herrlich!
Für mich fühlt sich die Serie an, wie in den Anfangsbänden. Nur gibt es noch mehr Sense of Wonder (Die Landung der Crest III ... ich will einen Film ...) und im Gegensatz zur Nummernrevue der ersten 50 Bände folgt hier alles einem großen Plan, der Stück für Stück enthüllt wird.
Schön. Sehr schön.
Dass die Dramaturgie dabei im Wesentlichen vorhersehbar ist - geschenkt. Andere Zeiten, andere Sitten.


Was mich umgehauen hat, war der aktuelle Neo-Roman mit der Bandnummer 156.
K.H. Scheer nannte den "Meister-der-Insel" Zyklus einmal ein Symptom seiner Zeit. Und genau das ist auch "Die Schmiede des Meisters" von Oliver Plaschka. Auf einem fernen Planeten muss Perry Rhodan einer öffentlichen Hinrichtung bewohnen. Die Schuld der Todeskandidatin besteht lediglich darin, für ihre Freiheit und gegen Unterdrückung eingetreten zu sein. Das ist realistisch, das ist erschreckend und das ist großartig geschrieben. Das ist Science Fiction, wie ich sie mag, als gnadenloser Spiegel der Gesellschaft.
Außerdem werden immer mehr Machenschaften der Thetiser aufgedeckt, ein Meister der Insel taucht auf, und - Parallele zum klassischen Zyklus - er scheint die Terraner und besonders Perry Rhodan zu kennen.

"Die Schmiede des Meisters" bringt endlich wieder das, was mich in der ersten Neo-Staffel so fasziniert hat: Ein aktuelles Szenario wird nur wenig in die Zukunft transformiert und so zu einer Vision, was uns im Schreckensfalle blühen könnte.
Ja klar, das ist eine Dystopie, das ist nicht schön, nicht angenehm zu lesen, aber es ist die literarische Bearbeitung eines aktuellen und relevanten Themas. Für mich bildet Band 156 bis jetzt den Höhepunkt der Staffel um "Die zweite Insel". So darf das gern weitergehen. Wenn jetzt noch, wie auf der Phantastika angekündigt, einige lose Enden miteinander verknüpft werden, wird diese Staffel sehr, sehr schön. Ich freu mich jedenfalls auf den Rest.

Samstag, 16. September 2017

Tellerrandlesen - Feuer der Leere

Die Phantastika wirkt bei mir auf sehr vielen Ebenen immer noch nach. Neben wunderbaren Erinnerungen und sich andeutenden Folgeerscheinungen schlummert immer noch ein Stapel ungelesener Bücher, auf dem zuoberst bis gestern noch "Feuer der Leere" von Robert Corvus lag.

Volker hatte mir das Buch schon länger ans Herz gelegt, und so war es kein Wunder, dass wir in Oberhausen gemeinsam die entsprechende Lesung besuchten, nachdem ich das Buch erworben hatte. (Was bitte gleich klarmacht: Ich habe kein Rezensionsexemplar erhalten und bekomme auch sonst keinerlei Zuwendung, Aufwandsentschädigung oder sonst einen Vorteil für die folgenden Zeilen.)

Wohlan, so lasset uns denn beginnen!

Bernd Robker, aka Robert Corvus erzählte und las auf der Phantastika 2017 aus Feuer der Leere

Worum geht es?

Die Erde ist zerstört. Eine Million Menschen konnte sich auf dreißig Großraumschiffe retten und durchstreift fortan die Leere des Alls. Mit dabei sind eine Kampfpilotin, ihr Bruder, Exsoldat und mittlerweile Farmer sowie ein junger Priester. Natürlich darf auch die Bedrohung durch eine verfeindete Kultur nicht fehlen. Die eigentlichen Stars des Romans sind allerdings die dreißig Raumschiffe, von denen neunundzwanzig menschengemacht sind. Ein Raumschiff, die Squid, wurde geboren, ist also ein Lebewesen, das die Menschen in sich aufgenommen hat.
Auf den dreißig Schiffen haben sich dreißig völlig unterschiedliche Gesellschaftsformen und Weltanschauungen entwickelt, wobei jede Gesellschaft von den anderen neunundzwanzig mehr oder weniger toleriert wird. (Mit einer Ausnahme, aber das könnt ihr bitte selber nachlesen ...)
Die eigentliche Handlung wäre, wenn ich es denn tun wollte, schnell zusammengefasst, und gerade im mittleren Drittel bewegt sich vordergründig so wenig, dass ich die titelgebende Leere geradezu spüren konnte. Anstelle wüster Abenteuer und wilder Raumschlachten erwarten den Leser, mal abgesehen von einem atemberaubenden Anfang, faszinierende gesellschaftliche Experimente, fremde Religionen und die Frage nach dem Wesen des Menschen.
Das Feuer entflammt dann im letzten Drittel, als die Squid sich entschließt ... ach was, lest selber ;))

Wie hat es mir gefallen?

Ich habe Feuer der Leere parallel zu einigen Heften des klassischen "Meister der Insel" Zyklus gelesen, in denen es auf 64 Seite nur so kracht und scheppert. Feuer der Leere war da eine hochwillkommene Abwechslung, in der ich es genossen habe, Robert Corvus in sein Universum der Leere zu folgen. Obwohl ich sonst kein großer Freund von Klappentexten bin, gebe ich Klaus N. Frick recht, der sich dort fragt, "von welchen Welten der Mann träumt".
Mir hat am besten gefallen, dass der Autor es schafft, philosophisch und religiös relevante Themen mit einer streng wissenschaftlichen Basis zu erzählen. Ausgehend von der Physik werden Lebensumstände für Gesellschaften entworfen und die sich daraus ergebenden Konflikte geschildert. Das ist nicht immer leicht zu lesen, aber durchweg faszinierend.
Zu meiner großen Freude hat Robert Corvus auf Twitter kürzlich angekündigt, das Manuskript zu einem Nachfolgeband vollendet zu haben, der für den März 2018 geplant ist. Teile meines Literaturbudgets für den März 2018 sind also auch schon verplant.

Mein Exemplar von Feuer der Leere trägt diese schöne Widmung

Kann ich das Buch empfehlen?


Wer auf die Bildgewalt eines Peter F. Hamilton im Armageddonzyklus, die sprühende Fantasie eines David Brin oder Ian Banks und die Langsamkeit der Endymiongesänge steht, der sollte unbedingt zu Feuer der Leere greifen. Unbedingtestens, wenn nicht sogar allerunbedingtestens!
Freunde des schnellen Raumschiffkicks werden das Werk eher befremdlich und lang finden.

Die Details:  

Titel: Feuer der Leere
Autor: Robert Corvus
Erscheinungsjahr: 2017
Umfang: 495 Seiten
Piper Verlag
Preis: 16,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-70439-7

Und sonst so?

Feuer der Leere ist ein Papego-Buch. Wer sich die kostenlose App für iOS oder Android aufs Handy lädt, kann eine Seite scannen und erhält die nächsten ca. 100 Seiten auf sein mobiles Endgerät gespielt. Das ist kein echter Ersatz für ein ebook, hilft aber immer dann, wenn man mal gerade keinen Papierziegelstein in der Jackentasche mitnehmen will.

Noch was?

Robert Corvus erzählt in seinem Youtube-Kanal selber etwas zu Feuer der Leere




Die Ankündigungen zum Imagoprojekt geben einen kleinen Eindruck davon, wie wissenschaftlich fundiert die Welten in Feuer der Leere sind.

Freitag, 15. September 2017

Jetzt sieh es doch mal so ...

… wenn eine Verletzung dich mehr oder weniger konsequent aufs Sofa tackert, bleibt dir, vorausgesetzt, du bist wach, mehr Zeit zum Lesen.
Vor diesem Hintergrund darf ich vermelden, den vierten Karton, und damit das erste komplette Regalbrett fertig gelesen zu haben.

Das bedeutet aber auch:

Seit gestern, mit der Lektüre von Band 260, habe ich den Heftehaufen zu 10 Prozent bewältigt.

Konfettiiiiii …!

Vier vollständige Kartons, 260 Hefte, oder 10 Prozent meiner Leselücke ...

Freitag, 8. September 2017

Andromedings - Eine Rückschau am offenen Hefte - Teil 3

Ausnahmeraumfahrer bekommt eine sagenhafte Rakete, fliegt boldly dahin where no one has  geflogen before, trifft dort komische Typen, schaut sich ein wenig um und schließt anschließend einen Vertrag mit den komischen Typen.

Das klingt ein wenig nach Unternehmen Stardust, das heute genau vor 56 Jahren im Handel erschien, passt aber genauso gut auch als saloppe Beschreibung auf Band 250 der größten Raketenheftchenserie aller Zeiten.
Mit "Die 6. Epoche" lies Karl Herbert Scheer seine Helden knapp fünf Jahre später, am 16.06.1966 endgültig in Andromeda eintreffen, um dort dem Paddler Kalak zu begegnen.
Wer die ersten zwei Folgen meiner kleinen Andromedings-Reihe gelesen hat, weiß, dass Kalak für mich eine Art alter Bekannter ist, schließlich bin ich dem Neo-Kalak bereits im Sommer begegnet.

Bevor ich ein wenig über die Lektüre sinniere, folgt erst einmal die Aufstellung, was ich seit dem Sommer gelesen habe.

In der klassischen Serie waren das folgende Hefte:

227 Der Duplo und sein Schatten
228 Die Rache des Mutanten
229 Feind aus fremder Galaxis
230 Finale für Twin
231 Das System der Verlorenen
232 Die Zeitfalle
233 Geheimsatellit Troja
234 Wachkommando Andro-Beta
235 Die Kaste der Weißrüssel
236 Im Camp der Gesetzlosen
237 Die drei Sternenbrüder
238 Der Geleitzug ins Ungewisse
239 Welt unter heißer Strahlung
240 An der Schwelle der Hölle
241 Fünf von der CREST
242 Das Rätsel des Sumpfplaneten
243 Raumaufklärer 008
244 Die Kugel aus Zeit und Raum
245 Notruf aus dem Nichts
246 Kontrollstation Modul
247 Der Herr der Androiden
248 Unter Einsatz seines Lebens
249 Der Geist der Maschine
250 Die 6. Epoche

Neo-Taschenhefte verschlang ich folgende:

153 Der Atem des toten Sterns
154 Die magnetische Welt
155 Der Andromeda-Basar

Ich habe also bei beiden Andromedingsen Halbzeit, also Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Die klassische Serie hat endlich Fahrt aufgenommen. Nach dem Rumgehacke auf Horror wurde für mich endlich eine Struktur erkennbar. Über den Schrotschusstransmitter ging es nach Andro-Beta und schließlich zur Plattform KA-preiswert. Die Geschichte folgt dabei klassischer Computerspieldramaturgie: Ein Gegner nach dem anderen wird gestellt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Bossgegner auch dran glauben darf. So strukturiert, so vorhersehbar.
Aber das liest sich gut, keine Frage.
Und es ist immer dies kosmische Perspektive, die aufgeht. Die Kamera nimmt mit wenigen Ausnahmen immer die Totale auf, Sterne, Weltraum, Raumschlachten. Großes Kopfkino.
Andromeda muss ein toller Ort für Raumfahrer sein, mit Lebewesen, die so groß sind, wie kleine Planeten, seltsamen Aliens mit zwei Rüsseln und Transmittern, die aus mehreren Sonnen bestehen. Im Hintergrund, immer näher kommend, die Meister der Insel als dunkle Bedrohung.
Die Figuren sind etabliert, der Fokus liegt auf der neu zu erobernden Galaxis, coolen neuen Schiffen, wie der CREST III, und der drohenden Gefahr durch die ominösen Meister.

Ganz anders bei Neo. Die stolze terranische Flotte besteht aus einem einzigen kaputten Schiff, der MAGELLAN und einem Beiboot. Hauptziel scheint die Reparatur der MAGELLAN zu sein.
Dabei stolpern Perry und seine Kumpels von einer Katastrophe in die nächste, ohne ihrem Ziel, der Reparatur wirklich näher zu kommen. Das ergibt spannende Einzelabenteuer, bei denen mir bis jetzt allerdings noch der ganz große erzählerische Bogen fehlt, obschon Kai Hirdt auf der Phantastika einige Andeutungen in die Richtung machte.
Die Bedrohung durch die Meister lauert zwar auch im Hintergrund, wobei die Perspektive auf diese Wesen weniger die kosmische, allumfassende Scheer-Totale ist. Vielmehr werden Einzelschicksale verschiedener Andromedaner (Andromedare? Andromedarianer? Wie nennt man die überhaupt?) so geschickt verwoben, dass das Netz der Bedrohung immer enger zu werden scheint. Beim lesen wurde ich das ein oder andere Mal an die legendäre Serie Babylon 5 erinnert, in der ebenfalls scheinbare Nebensächlichkeiten zu einem dichten Handlungsnetz gewoben wurden. Das gefällt mir ausgesprochen gut, obwohl für diese Geschichte nicht unbedingt der Sprung nach Andromeda nötig gewesen wäre. Die "zweite Insel" selbst bleibt leider etwas blass.

Am klarsten wurde mir dieser Unterschied in der erzählerischen Herangehensweise an den Andromedastoff beim direkten Vergleich der beiden Bände um KA-preiswert.
Um es einmal etwas überspitzt zu formulieren: Nach dem Neo-Band "Werkstatt im All" wusste ich alles über den zwielichtigen Kalak. Nach der Lektüre von "Die 6. Epoche" wusste ich nichts über Kalak, dafür alles über KA-preiswert.

Beide Zyklen faszinieren mich auf ihre Art bis jetzt sehr, und ich kann immer mehr verstehen, was die hundert Hefte um die Meister der Insel zur Legende gemacht hat. Bei der zweiten Insel bin ich noch nicht soweit, aber feine Weltraumabenteuer sind es allemal. (Es wird Zeit, dass Terminus vorbei ist, und ich mich endlich parallel dem Neoversum von Anfang an widmen kann ...)

Wohlan, ich gehe mal wieder lesen und melde mich, sobald ich den nächsten Packen gelesen habe. Der neue Neo lag gestern im Briefkasten.

Ad Astra.

Montag, 4. September 2017

Tellerrandlesen - Das Unglück Mensch

Auf der Phantastika habe ich ja nicht nur signierte Heftchen für meinen Haufen sammeln können, sondern mir auch einige Literaturwünsche erfüllt. Manches war geplant, wie "Feuer der Leere" oder "Zamorra", anderes waren Gelegenheits- und Stimmungskäufe. Eindeutig in die letzte Kategorie fällt das Werk "Das Unglück Mensch - Darwin's Failure" von Madeleine Puljic.

Zack, da ist der Rhodan-Bezug, erfreut die Neu-Hamburgerin uns doch seit längerer Zeit mit sehr unterhaltsamen Perry-Rhodan-Neo Romanen. (Es gibt noch einen weiteren Rhodanbezug, den verrate ich aber erst zum Schluss.)

Die Überschrift "Tellerrandlesen" deutet es schon an: In loser Folge werde ich ein paar Zeilen zu Büchern schreiben, die nicht im Perryversum spielen, aber der Fantasie der Serienautoren entsprungen sind. Es wird sich also immer um Bücher handeln, die nicht komplett jenseits des Tellerrandes liegen, sich aber sozusagen noch daran festklammern.

Vorweg sei deutlich bemerkt: Ich habe das Buch zum regulären Preis gekauft, handele in niemandes Auftrag und erhielt keinerlei Belohnung, außer einem bezaubernden Lächeln der Autoren, als sie mir unter der Oberhausener Sonne einen Zehner abknöpfte.

Madeleine Puljic lächelt nicht nur in Oberhausen, sondern auch in Bonn.


So, und nun los!


Worum geht es?

"Das Unglück Mensch - Darwin's Failure Teil 1" ist eine Dystopie aus der Feder von Madeleine Puljic. In einer scheinbar perfekten Welt führt eine genetisch optimierte Oberschicht ein sorgenfreies Leben und ist weitgehend von ihrer Umwelt abgeschottet. Die Umwelt ist die 70-Millionen-Metropole Noryak, die eindeutig auf der Erde liegt, aber nicht näher verortet wird. Ein wichtiges Gebäude Noryaks ist das N4-Center, in dem genetisch optimierte Menschen geplant und in großen Brutstationen erzeugt werden.

Schnell wird klar, dass es zu dieser beklemmend heilen Welt eine Schattenseite gibt, auf der genetisch unveränderte Menschen ihr Dasein fristen, weniger Wert als eine der Maschinen, die sie bedienen müssen. Zum einen verlässt das Mädchen Novis ihre heile Welt und gerät immer tiefer in die Abgründe Noryaks. Zum anderen lernen wir einen jungen Priester kennen, der nichts unversucht lässt, den geschundenen, nichtoptimierten Menschen der Stadt wenigstens etwas zu helfen.
"Das Unglück Mensch" setzt genau dann ein, als der Druck in diesem teuflischen System zu groß wird, und die unveränderten Menschen beginnen, sich zu wehren. Das erste Opfer der Rebellen ist schnell gefunden, ab da überschlagen sich die Ereignisse.

Wie hat es mir gefallen?

Entgegen meiner anfänglichen Annahme stellt Puljic nicht die Frage nach Grenzen und Möglichkeiten der Wissenschaft in den Mittelpunkt. Diese Frage schwingt zwar immer mit, wird aber nicht diskutiert, denn die Gentechnik scheint allmächtig und wird von den optimierten nicht infrage gestellt:

"Wozu benötigt man einen Spatz mit dem Intellekt eines Menschen?" Obwohl Niove ihre Frage durchaus berechtigt fand, zog sie damit die entrüsteten Blicke der Wissenschaftler auf sich."

Vor dem Hintergrund eines nahezu kritiklos akzeptierten Fortschritts schreibt Puljic viel mehr eine Parabel über den Ursprung des Extremismus. Welche Dynamik entwickelt eine unterdrückte Bevölkerungsgruppe? Welche unterschiedlichen Widerstandsformen bringt der Untergrund hervor? Und welche fatale Auswirkung kann ein charismatischer Fanatiker haben, der plötzlich zum Leittier wird?
Die Autorin vermeidet bewusst plumpe Parallelen, indem sie die Stadt Noryak nicht geographisch verortet. Dazu tragen alle Figuren Fantasienamen, die vage an einen europäischen Kulturkreis erinnern. Durch diesen Kniff gelingt es, dass die Geschichte zum Nachdenken über das Wesen und die Ursachen von Extremismus und Fanatismus jeglicher Couleur anregt.

Heimlicher Held des Buches ist die Stadt Noryak. In meinem Kopfkino blitzten sofort Michael Kosers Babylon, die unteren Ebenen Corsucants oder die Welt von blade Runner auf. Noryak bietet extrem viel Potenzial und fast ist es schade, dass die Autorin ihre Schöpfung nicht noch weiter ausgemalt hat. Hier hätte etwas mehr epische Breite gut getan.
Kurz und knapp wird "Das Unglück Mensch" auch immer dann, wenn es richtig zur Sache gehen sollte. Morde und Terroranschläge, aber auch Liebesszenen lesen sich teilweise so, wie sich ein Auto mit angezogener Handbremse fährt. Mehr Dreck, mehr Trümmer und mehr Gefühle hätten die Erzählung noch besser gemacht. Mal schauen, was die Fortsetzung in der Richtung so auffähr.
Dieser gebremste Schaum führte bei mir auch zum einzigen wirklichen Stocken bei der Lektüre: Der verwendete Sprengstoff im Finale ist ein prima Einfall (sage ich jetzt mal so, als Mensch mit 10 Semestern Chemie im Leib), lediglich die geschilderte Menge der Mischung scheint mir etwas klein, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Oder ich habe mir das Ziel einfach größer vorgestellt. Wurst! Der Knall ist prima.

Schön fand ich das Fehlen eines unbefriedigenden Cliffhangers. "Das Unglück Mensch" ist also auch Solo zu genießen, auch wenn die Fortsetzung schon in Arbeit ist.

Kann ich das Buch empfehlen?

Wer gern Science Fiction von gesellschaftlicher Relevanz liest, ist mit "Das Unglück Mensch" bestens bedient. Eine beeindruckende Welt dient als Kulisse für ein brandaktuelles Thema: Unterdrückung und Extremismus. Das Thema wird nie platt behandelt und das an manchen Stellen fehlende Feuer wirkte zumindest bei mir gedankenanregend.
Mal schauen, was die Fortsetzung an Action bringt; hoffentlich löst Madeleine Puljic die erzählerische Handbremse, so wie sie das in den aktuellen Neos tut.

Madelein hat mir diese beiden Coverpostkarten in die Hand gedrückt: Das Unglück Mensch und seine Fortsetzung. Ich bin schwer gespannt.


Die Details:

Titel: Das Unglück Mensch
Autorin: Madeleine Puljic
Erscheinungsjahr: 2013
Umfang: 315 Seiten
Preis: 9,99 € (Taschenbuch), 1,99 € eBook, oder kostenlos bei kindle unlimited
ISBN: 978-1494270339
Erhältlich über Amazon (Nein, ich verdiene an dem Links nichts.)

Und was ist jetzt mit dem zweiten Rhodan-Bezug?

Einer der Protagonisten, der bereits erwähnte Priester, heißt Atlan ...

Samstag, 2. September 2017

Ein Tag auf der Phantastika 2017 in Oberhausen - mein Rückblick

Für meine samstäglichen Verhältnisse klingelte mein Wecker heute ziemlich früh. Um 5:45 sollte mich eigentlich eine sanfte schottische Ballade wecken, die Aufregung hat mich aber schon um 5:30 im Bett stehen lassen. Vielen Dank, Unterbewusstsein.
Gestriegelt und gespornt ging es dann um 6:15 nach Brühl, wo ich von Volker mit Kaffee und einem reichhaltigen Frühstück bewirtet wurde. Vielen Dank noch einmal dafür.
Gemeinsam machten wir uns um 8:00 auf den Weg zum Bahnhof, von wo uns der RE 5 bis fast vor die Tore des Kongresszentrums Oberhausen brachte. Der Andrang war vor zehn Uhr noch nicht besonders groß, sodass wir ohne großes Warten an unsere Karten kamen. Den Preis von 18,00 € für eine Tageskarte fand ich mehr als fair. Im ersten Augenblick etwas ärgerlich war das Verbot von mitgebrachten Getränken in der Halle - aber klar, der Veranstalter hat hier geltende Verträge mit dem Caterer des Kongresszentrums. Dafür waren die Verpflegungspreise in der Halle echt fair.

Kaum hatten Volker und ich die Halle betreten, stolperten wir auch schon über die erste Rhodan-Prominenz. Robert Corvus ist mit seiner Haarpracht und Baumlänge nicht zu übersehen, Kai Hirdt und Madeleine Puljic begrüßten uns herzlich; ein schönes Wiedersehen. Die angenehme Stimme hinter mir, entpuppte sich schnell als die von Norbert Fiks. Fein, dass wir uns jetzt auch endlich einmal persönlich getroffen haben, nachdem wir unser Interview für die SOL ja per Mail und Twitter geführt hatten.

Überhaupt bot die Phantastika im Laufe des Tages mehrere Möglichkeiten, sich endlich einmal mit Menschen zu unterhalten, die ich bis jetzt nur digital kannte. Stefan Wepil, dessen tolle Perry-Rhodan-Kunstwerke leider nicht ausgestellt werden konnten, lernte ich genauso kennen, wie Stephanie Braun vom kleinen Kometen. Und endlich, endlich konnte ich auch Ralf Entz die Hand schütteln. Ralf, dein Detailwissen über einzelne Perry-Rhodan-Zyklen ist wahrhaft beeindruckend. Hut ab!

Martin, Ralf und Volker - Ort und Zeit für ein gemeinsames Treffen knobeln wir demnächst aus
Überhaupt war das eine der Stärken der Phantastika 2017: die Begegnung. Phantastische Autoren begegnen phantastischen Fans und kommen miteinander ins Gespräch. Durch die schiere Angebotsfülle ergaben sich immer wieder anregende Kontakte, und dennoch war die Veranstaltung klein genug, um Gespräche über die obligatorische Begrüßung hinaus zu ermöglichen. Dieses Flair darf in einer Neuauflage gern erhalten bleiben.

Aber der Reihe nach.

Gleich um 10:30 fand im großen Saal des Kongresszentrums ein Perry Rhodan Panel statt. Leider erwies sich der Saal als deutlich überdimensioniert. Zu der frühen Zeit waren viele Fans wohl noch nicht angereist. Aber irgendjemand muss ja den Anfang machen. Und solltet ihr jemals das Glück haben, Robert Corvus in einem Panel zu erleben - genießt es!
Die Krachernachricht kam in der letzten Minute: Susan Schwartz verkündete, dass im Januar 2018 unter ihrer Expokratur die neue Miniserie Perry Rhodan - Olymp anläuft. Nähere Informationen hat Klaus N. Frick per Twitter für Montag angekündigt.

Rhodanistisch weiter ging es dann wenig später in kleineren Räumlichkeiten - Ralf Boldt hatte zum Perry Rhodan Neo Panel geladen. Hier erlaubten die Autoren den anwesenden Fans einige Blicke hinter die Kulissen des Perry-Rhodan-Reboots. Kai Hirdt freute sich sichtlich, als er verkünden konnte, dass die laufende Andromeda-Staffel endlich einige lose Enden der ersten 150 Bände verspinnt. Wir dürfen gespannt sein.

Semirhodanistisch, aber nicht minder Unterhaltsames folgte gleich im Anschluss: Robert Corvus las aus "Feuer der Leere" vor.

Robert Corvus weiß nicht nur in einem Panel zu unterhalten - eine tolle Lesung
Volker hat mir das Buch bereits empfohlen, ich kenne es noch nicht. Aber das, was ich hörte, hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir ein Exemplar zugelegt habe. Die Geschichte einer im All versprengten Menschheit, philosophische und religiöse Gegenentwürfe und das Bild einer menschlichen Zivilisation auf 30 Raumschiffen, gepaart mit der erzählerischen Breite eines Peter Hamilton - das Buch wird hier nicht lange ungelesen rumliegen.

Nach einer kleinen Mittagspause bei Wurst, Brezel und Kaltgetränk nutzten Volker und ich die Zeit, uns ein wenig durch die verwinkelten Räume und Flure treiben zu lassen. Hier trafen Stormtrooper auf Steampunker und Sternenflottenoffiziere unterhielten sich mit Ents und Lord Vader. Büchertische verschiedenster Verlage boten Druckfrisches und Antiquarisches zum Stöbern. Doctor Who traf auf Professor Zamorra und neben einem Schminkstand für Erwachsene präsentierte sich eine Lichtschwertschmiede. In vielen Seminarräumen wurden Lesungen und Workshops zu unterschiedlichsten Themen der Phantastik angeboten - ein Angebot, das einen mit Sicherheit zwei Tage fesseln kann. Wir hatten nur eine Tageskarte und mussten deshalb auswählen. (Ich kündige für die nächste Phantastika schon einmal meine Übernachtung am Tagunsort an. Ohne Witz, da war dermaßen viel los, dass ich beim nächsten Mal mehr Zeit brauche.)
Natürlich lag unser Fokus auf Rhodan. So konnten wir Lars Bublitz beim Zeichnen zuschauen und Risszeichnungen in Farbe bewundern.

Lars Bublitz arbeitet live am Stand der Risszeichner
Natürlich durfte auch eine Autogrammstunde nicht fehlen, die ich dazu nutzte, einige nette Stücke für meinen Heftehaufen zu bekommen. Neben den obligatorischen Autogrammkarten lagen auch Gratishefte zum Signieren bereit; ein feiner Zug von VPM.

Ein wenig Zuwachs für meinen Autogrammordner

Madeleine Puljic vermachte mir diese beiden Widmungen in ihre Neos.

Zwei signierte Erstauflagen und ein Terminus
Terminus-Autor Dietmar Schmidt ist noch so neu im Team, dass er lediglich Hefte zum signieren da hatte. Auch nicht schlecht ;)

Da wir ja noch eine Bahnfahrt und ich sogar noch eine Autofahrt vor uns hatten, beschlossen wir, am Nachmittag die Segel zu streichen und uns die Gala zum deutschen Phantastikpreis zu schenken. Also verabschiedeten wir uns von allen, von Kai Hirdt sogar gleich zweimal, weil ich noch kurz am Stand der Deutschen Tolkiengesellschaft vorbeischaute und Kai vor dem Kongresscentrum in der Sonne herumstand.
Schnell wurde uns klar, dass er auf eine Lesung von Madeleine Puljic im Original Roadmaster wartete. Natürlich haben wir nicht lange nachgedacht und uns zum Abschluss noch von Madeleine aus "Noras Welten" vorlesen lassen. Eine nette kleine Lesung in tollem Ambiente. Auch auf dieses Buch, in dem die Protagonistin in Bücher reisen kann (klingt ein wenig nach Jasper Fforde, oder?), freue ich mich sehr.

Madeleine Puljic testet die Deckenhöhe im Londoner Roadmaster.
So kam es, dass wir uns bei strahlendem Sonnenschein zum dritten Mal von Kai Hirdt verabschieden konnten. Schön war auch, dass Stephanie Braun ebenfalls im Publikum saß, sodass auch wir uns gebührend voneinander verabschieden konnten. Bis bald, würde ich sagen.

Zu Hause angekommen konnte ich dann meine Ausbeute betrachten, die durchaus auch nichtrhodanistischen Lesestoff beinhaltet:

Wer seinen Blog "Heftehaufen" nennt, sollte auch mal in Zamorra reingeschaut haben.

Meine drei nächsten Ausgleichslektüren sind auch schon an Bord.

Tja, und wie war sie nun, die Phantastika 2017?
Um es in einem Wort vorwegzunehmen: Großartig!

Mike Hillenbrand und Jennifer Christina Michels sind angetreten, um der deutschen fantastischen Literatur eine zentrale Veranstaltung zu verschaffen. Dabei hatten sie den Anspruch, thematische Breite, professionelle Organisation und die familiäre Stimmung eines Cons miteinander zu verbinden.

Ich kann nur sagen, dass die Veranstaltung diesem Anspruch vollauf gerecht geworden ist. Wohltuend war der eindeutige Fokus auf phantastische Literatur in all ihren Spielarten. Da dies deutsche Szene hier zwar thematisch extrem Reich, aber zugleich sehr überschaubar ist, wurde ein all zu bombastischer Rahmen vermieden, ohne in die typisch fanische Jugendzentrums-Con-Atmosphäre abzugleiten. Perry Rhodan war hervorragend aufgestellt und präsentierte sich sehr viel aktiver, als andere, zugegebenermaßen kleinere, Serien, die natürlich auch mit Ständen vertreten waren.

Schön wäre eine Art "Bloggercafé" mit freiem WLAN als Treffpunkt für Literaturblogger jedweder Coleur gewesen. Hier hätte man sich fein austauschen und auch einmal persönlich kenn lernen können. So blieben diese Begegnungen leider auf die Flure beschränkt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das Oberdeck des Doppeldeckerbusses wäre beispielsweise ein toller Platz dafür gewesen.
Ich wünsche Mike Hillenbrand und Jennifer Christina Michels den nötigen wirtschaftlichen Erfolg ihrer Veranstaltung, auf dass sie sich als zentrale Veranstaltung für die deutschsprachige Phantastik etablieren möge. Sie hat das Potential dazu, denn eine Veranstaltung dieses Formates fehlte bisher in Deutschland.




P.S.: Ich bin mir noch unsicher, ob der nächste Perry Rhodan Weltcon nicht doch in Brüssel stattfinden wird.


Perry Rhodan Neo Panel auf der Phantastika

In etwas kleinerem Rahmen fand auf der Phantastika auch ein Panel zu Perry Rhodan Neo statt.

Madeleine Puljic, Kai Hirdt, Ralf Boldt und Hermann Ritter (von links) auf der Phantastika 2017


Madeleine Puljic, Kai Hirdt, Ralf Boldt und Hermann Ritter (von links) brachten dem Publikum die Besonderheiten von Perry Rhodan Neo nahe und stellten sich den Fragen der anwesenden Fans. Die Konzeption der aktuellen Andromeda-Staffel und die Beweggründe, bestimmte Handlungsdetails deutlich anders zu lösen, erleuterten die anwesenden Autoren den aufmerksamen Zuhörern.

Besonders aufhorchen lies mich die Ankündigung Kai Hirdts, nach der im Zuge der Andromeda-Staffel eine Menge offener Fragen der ersten 150 Hefte aufgenommen und  teilweise zu einem Schluss gebracht werden. Das lässt Großes erwarten.
Ich denke, dass nach dem Abschluss von Terminus für mich die Zeit gekommen ist, diese Serie auch endlich einmal komplett nachzulesen. (Zwischen den Bänden 16 und 150 klafft ja doch eine gewisse Wissenlücke ...)

Daily Perry auf der Phantastika

Lars Bublitz zeichnet live auf der Phantastika einen Daily Perry.


Lars Bulbitz und einige der PR-Risszeichner können ihre Arbeit ebenfalls auf der Phantastika präsentieren. Lars Bulbitz zeichnet sogar live und in Farbe.

Perry Rhodan Panel auf der Phantastika 2017

Gleich nach unserer ankunft und ersten Orientierung stand um 10:30 Uhr im größten Saal des Kongresscentrums Oberhausen ein Panel zur größten Raketenheftchenserie der Welt an.

Dietmar Schmidt, Uwe Anton, Hermann Ritter, Ralf Boldt, Susan Schwartz und Robert Corvus (von links) gemeinsam auf der Phantastika 2017


Mit Robert Corvus (Romanautor und PR-Stammgastautor), Susan Schwartz (Verlegerin, Autorin und PR-Teamautorin), Ralf Boldt (Vorstandsmitglied der PRFZ), Hermann Ritter (Erzfan und Fandombeobachter), Uwe Anton (Autor, Übersetzer, Expokrat) und Dietmar Schmidt (Terminus-Autor) (von rechts nach links) berichtete eine interessante Mischung aus erfahrenen und jüngeren Autoren, Expokraten und Fans über Geschichte und aktuelle Umtriebe des Unsterblichen.
Ralf Boldt gab den Zuschauern, die mit Perry Rhodan noch nicht vertraut waren eine kurze Übersicht über das Phänomen Perry Rhodan.
Dietmar Schmidt und Uwe Anton verrieten einiges über die Hintergründe von Terminus. 
Mit dem Neu-Stammgastautor Robert Corvus, der zwischenzeitlich kleinere Werbeeinlagen tanzte, hatte die Ex-Stammgastautorin ein Susan Schwartz einen kongenialen Gesprächspartner. 
Souverän moderiert wurde die Runde von Erzfan und Fandomexperte Herman Ritter und dem PRFZ-Schriftführer Ralf Boldt.
Die Krachernachricht des Panels verkündete Frau Schwartz ganz an Ende der Gesprächsrunde: Im Januar 2018 wird mit Perry Rhodan Olymp die nächste Miniserie erscheinen, für deren Konzeption sie selbst verantwortlich ist.

Leider war das Panel, vermutlich aufgrund der Uhrzeit nur schwach besucht, dafür war es umso lustiger und interessanter.

Erste Eindrücke von der Phantastika

Seit 9:30 bin ich auf der Phantastika in Oberhausen. Bis jetzt bin ich absolut begeistert - eine ganze Veranstaltung nur für phantastische Literatur.
Dass Perry Rhodan da nicht fehlen darf, ist klar. Hier sind ein paar erste Eindrücke:

Robert Corvus ist deutlich größer als ich.



Madeleine Puljic und Kai Hirdt - charmant wie immer.



Norbert Fiks kannte ich bisher nur von unserem SOL-Interview.



Uwe Anton ist natürlich auch da.


Donnerstag, 31. August 2017

Der Monat im Rückblick - August 2017

Nach einem fulminanten Juli folgte die Ruhe nach dem Sturm. Manche nennen sie August.

Das passierte im Blog

Der August war bis jetzt der ruhigste Monat. Fünf Artikel (sechs, wenn man den verspäteten Monatsrückblick dazu zählt) waren deutliches Anzeichen der Sommerpause. Nach intensiver Reise-, Urlaubs- und Lesetätigkeit war in der ersten Augusthälfte einfach mal Lesepause angesagt, was natürlich auch einen Mangel an Blogposts bedingt.
Nach Wiederaufnahme der Lesetätigkeit gab es dann einen hübschen Antiquariatsfund und ein paar Gedanken zu Leseerlebnissen und Frauen bei Herrn Rhodan.

So lief die Leserei

Nach dem Sprint am Neusiedler See ruhte der Heftehaufen in der ersten Augusthälfte komplett. Erst gegen Monatsmitte habe ich wieder ien Heft in die Hand genommen, sodass ich jetzt wieder beim gewohnten Rhythmus von einem Heft pro Tag bin.
Heute erst habe ich alle Hefte, die hier während meines Urlaubs aufgelaufen sind, weggelesen, sodass ich also demnächst auch mal wieder ein etwas in der Kategorie Andromedings posten kann.

Das macht der Sammlungsaufbau

Ihr erinnert euch an Martin? Martin hat mir einen Haufen Dubletten vermacht, die ich endlich sortiert habe. Die jeweils besseren Exemplare habe ich in meine Sammlung übernommen, mit den anderen werde ich demnächst was Schönes machen.

Und sonst so?

Ich freu mich wie Bolle auf die Phantastika. Ich hoffe, man sieht sich.

Montag, 28. August 2017

Nur ein paar Gedanken über Frauen

"Ist hier etwa Weibsvolk anwesend? - Nein, neeeiin!" Perry Rhodan und die Frauen, eine Diskussion die gefühlt direkt nach dem Thema Perry Rhodan im Film kommt, oder?

Obwohl, ist das nicht bei vielen Superhelden so? George Lazenby war ja auch - na egal. Aber so schlecht war "Im Geheimdienst ihrer Majestät" jetzt auch nicht - von dieser Hochzeitsthematik mal abgesehen.
Superhelden heiraten nicht einfach so, sie sind einsame Streiter für die gute Sache. Und dazu ist Meister Rhodan ja noch relativ unsterblich, also noch eine Spur superer also gewöhnliche Superhelden. Was will so ein Kerl mit einer Frau? Und ist man dieser Ehesache spätestens ab dem 500. Lebensjahr nicht irgendwie überdrüssig? Schwierig.

Trotzdem hatte Perry Rhodan schon früh in der Serie Frauen an seiner Seite, beginnend mit der unnahbaren Blondine von Arkon, die er auf dem Mond aufgelesen hat.
Ein paar Jahre später, nach den Ereignissen auf Plophos ehelicht er Mory Abro - ob aus Liebe oder politischem Kalkül sei einmal dahingestellt.
Mory Abro ist schon ne ziemlich abgebrühte, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt. Sie kommt selbstverständlich mit Richtung Andromeda, muss da zwar manchmal in die zweite Reihe, aber das finde ich nicht weiter schlimm. Neben Herrn Rhodan ist nun mal nicht allzuviel Platz in der ersten Reihe. Aber sie ist eine aktiv ins Geschehen eingreifende Figur.

Und wie sieht es zum vergleichbaren Zeitpunkt in Perry Rhodan Neo aus? Andromeda? Na klar!
Frauen? Die unnahbare Blondine vom Mond.
Erste oder zweite Reihe? Pah, nix da! Heimchen am Herd. Perry Rhodan bricht allein nach Andromeda auf und lässt seine Frau daheim bei seinen Kindern.
Das mag eine nachvollziehbare Entscheidung eines Vaterssein, schließlich ist so ein Unternehmen, mal eben in die Nachbargalaxie zu düsen, ja nicht ganz ungefährlich.

Aber Perry Rhodan Neo ist Science Fiction; Moderne Science Fiction. Hätte man da nicht Gesellschaftsmodelle entwickeln können, in denen eine Beteiligung Thoras an der Expedition möglich wäre? Ging auf Herrn Picards Schiff doch auch.
Ich finde, hier haben die Neo-Expokraten eine Chance verpasst, eine gesellschaftliche Vision abseits des klassischen Rollenverständnisses zu entwickeln und so eine starke Frauenrolle in die Romanhandlung einzubauen.

Montag, 21. August 2017

Blues

Im Moment hab ich irgendwie den Rhodanblues.

Nach dem Sprint am Neusiedler See und der darauf folgenden Pause finde ich das Lesen im Moment sehr zäh. Dabei ist es nicht so, dass mir der MdI-Zyklus so gar nicht gefällt - ganz im Gegenteil. Mit dem Schrotschussdingsbums und der Story um Grek 1 scheint die Sache ja nun endlich Fahrt aufzunehmen.
Vielmehr fühle ich mich an die langen Wanderungen erinnert, die ich zu Studienzeiten unternommen habe. Da war der Vormittag nach dem Ruhetag auch ein einziger Kampf. Kein Schritt schien selbstverständlich, alles wirkte irgendwie schwerer und träger. Jedes Mal war das so. Und geholfen dagegen haben letztendlich nur Weiterlaufen und Durchbeißen.

In diesem Sinne: Weiterlesen und Durchbeißen. Wir sehen uns demnächst Samstags auf der Phantastika, oder?

Bis dann.

Freitag, 18. August 2017

Gebrauchtbuchhandlungsfund

Die Lektüre von Heft 66 - Wächter der Verbannten liegt ja nun auch schon ein paar Tage zurück. Meine Erinnerungen an diesen Band sind verblasst; ich weiß, dass er von Kurt Mahr verfasst wurde und irgendwie mit den blauen Zwergen und dieser Siedlergeschichte zu tun hat.
Nicht verblasst ist die Erinnerung an eine Werbeanzeige auf dem äußeren Umschlag:

Quelle: Heft 66 - Wächter der Verbannten - Copyright by Pabel Moewig Verlag, 1962

Mir ist die Anzeige im Gedächtnis geblieben, weil sie eine Verknüpfung zwischen zwei meiner Hobbys darstellt. (Langzeitleser werden meine Faszination für Flugzeuge und Eisenbahnen ja schon mitbekommen haben.


Durch einen Zufall habe ich dann genau dieses Heft in einem modernen Antiquariat gefunden:

Copyright by Pabel Moewig Verlag, 1962

Der Band gehört zur vierbändigen Reihe  "Fliegergeschichten-Handbuch" und bietet eine große Fülle damals verfügbarer Informationen über die sowjetische Luftfahrtindustrie. Ausführliche Texte und Dreiseitenrisse vieler Militärflieger werden - entgegen dem Titel - durch Informationen zu den zivilen Verkehrsflugzeugen der Zeit ergänzt. So werden auch legendäre Maschinen wie die TU-104 ausführlich beschrieben.

Natürlich finden sich entsprechende Fakten und vor allem viel bessere Fotos fast aller vorgestellten Flieger mittlerweile im Internet. Aber die Aura, das Zeitgefühl und die zeitgenössischen Texte, die inmitten des kalten Krieges durchaus Hochachtung vor der Luftfahrtindustrie des einstigen Gegners verbreiten, das kriegt keine Wikipedia hin. Dazu braucht es schon diese kleine Zeitreise.

Bleibt nur eine Frage: Stelle ich das Ding zu den Flugzeugbüchern oder in die Kiste mit den vermischten Heften?

Mittwoch, 16. August 2017

Zurück im Ring

Hallo Welt,

pünktlich zum 228. Tag meines Lesevorhabens widme ich mich Band 228 - Die Rache des Mutanten von Herrn W. Voltz höchstdarselbst.
Die Serie befindet sich auf Kurs 3000, der Haufen nähert sich der 10%-Marke. 
Läuft ...
Nächster Halt: Phantastika :)



Sonntag, 13. August 2017

Kleine Haufenpause

Hallo zusammen,

in den letzten zwei Wochen ist es hier deutlich ruhiger zugegangen. Es kamen sogar schon Fragen, ob ich noch lese. Danke für die Anteilnahme: Ja, ich lese natürlich noch.
Allerdings ist es sich in den letzten zwei Wochen ausgegangen, dass der Haufen pausiert hat. Nach meinem Sprint am Neusiedler See habe ich es gewollt und ungewollt etwas ruhiger angehen lassen.
Die gewollte Lesepause lag darin, dass ich mal wieder mit meiner Familie unterwegs war, natürlich auf die ein oder andere Weise zeltend. Und da stand einfach gemeinsame Familienzeit im Vordergrund. Da kommt einfach kein Zyklus mit, und sei er noch so legendär. Ich habe sogar an Ausgleichsliteratur maximal 10 Seiten und ein Comicalbum verschlungen.
Eher ungewollt war die Pause der letzten paar Tage. Ich habe meinen Internetanbieter gewechselt. Und bevor ich mich daran gemacht habe, das alles in Angriff zu nehmen, stand eine Menge Materialpflege an. Schließlich konnten wir Zelt und Zeug nicht trocken einpacken. Also wurde geschrubbt, gewaschen und getrocknet, was das Zeug hielt.
Ab Morgen hat mich dann der Alltag wieder, und ja ich spüre schon so ein klein wenig den Entzug. Ach ja, und Dubletten habe ich noch sortiert, dazu aber später mehr.

Ad Astra
Martin

Freitag, 4. August 2017

Der Monat im Rückblick - Juli 2017

Was lange währt ... Sie kennen das. Mein Rückblick auf den Juli 2017

Das passierte im Blog

Rein zahlenmäßig war der Juli ein durchaus normaler Monat; die Zahl der Post hat sich in den letzten 4 Monaten bei 12 eingependelt. (Auch im Juli wären es 12 gewesen, wenn dieser Rückblick pünktlich erschienen wäre. Aber ich war auch Achse und konnte nicht schreiben. Nun also mit ein paar Tagen Verspätung ...)


Gänzlich unerwartet beschäftigte mich in der ersten Monatshälfte das Thema Perry Rhodan im Film auf die ein oder andere Weise. Von einigen persönlichen Gedanken zu einem Perry Rhodan Film, über Leserbriefe in der 3. Auflage bis hin zu Fanfilmen und Videos von Autoren und Bloggern ergab sich eine feine Mischung. Das hat Spaß gemacht.

Spaß hat auch die Entdeckung anonym verfasster Liebeslyrik in einem Heft gemacht.

Die zweite Monatshälfte stand dann ganz im Zeichen der Meister der Insel und des aktuell laufenden Reboots innerhalb der NEO-Serie. Ich habe die wundervolle Gelegenheit, beide Zyklen parallel zum ersten Mal zu lesen. In Ergänzung zu einem Zyklusrückblick, habe ich kleine Zwischenbilanzen gezogen und werde das auch im August weiter so halten. Der Vergleich zwischen den Meistern der Insel und der Andromedastaffel ist faszinierend,

So lief die Leserei

Der Juli 2017 war ein fabelhafter Lesemonat. Ich hatte die Chance, drei Wochen ganz allein am Neusiedler See im österreichischen Burgenland zu verbringen. Meine Vormittage verbrachte ich an einem kleinen Projekt, dessen Schweigemantel aber noch nicht zur Lüftung bereitsteht. Gegen 13:00 packte ich jeden Tag meine Badesachen und einen ordentlichen Heftehaufen und ließ mir am Seeufer die Sonne auf den Bauch scheinen. Mit dem Rhythmus "Heft - Schwimmen - Heft - Schwimmen - ..." habe ich in diesen Wochen einen kleinen Zwischenspurt eingelegt. Aktuell bin ich immer noch bei Band 227, als deutlich über dem Schnitt von einem Heft pro Tag.

Die letzte Woche verbrachte ich dann absichtlich wieder mit Outlander. Da ich in dieser Woche viel mit dem Zelt unterwegs war, war der E-Book-Reader hier das Medium der Wahl.

Parallel zu den klassischen Heften habe ich mit der Andromedastaffel aus PR-NEO begonnen. Irgendwie hat es mich wieder gefangen und ich suche nach einem Weg, die Serie ebenfalls in mein Lesepensum einzubauen. Mal schauen, vielleicht läuft es auf den Rhythmus von einem aktuellen NEO-Heft im Wechsel mit einem älteren Roman heraus. Das wäre dann ein Roman pro Woche.
Es wird sich schon ausgehen, wie der Österreicher so schön sagt.

Das macht der Sammlungsaufbau

Ursprünglich wollte ich die Tschubai-Chroniken in Wien kaufen. Bei Temperaturen um 35 Grad habe ich von dieser Idee Abstand genommen und lieber einen Anruf nach Koblenz in die Sammlerecke abgesetzt. Seit vorgestern liegt dieses Heft hier bei mir.

Ansonsten habe ich gestern meine Dubletten mal an einen Ort verbracht und wälze jetzt Ideen, was ich damit anstelle. Dazu kommt sicher in den nächsten Wochen noch mehr. Einfach mal abwarten.

Samstag, 22. Juli 2017

Andromedings - Eine Rückschau am offenen Hefte - Teil 2

Wer mein momentanes Lesepensum mitverfolgt, dem ist klar: Der Mann hat Urlaub und viel, viel, viel ... viel Zeit. Jippieh!
So ist es kein Wunder, dass ich in der "zweiten Insel" mittlerweile beim aktuellen Band angelangt und im "Meister der Insel" Zyklus mal wieder einen ordentlichen Satz gemacht habe.

Im Einzelnen nahm ich mir in den letzten Tagen folgende Hefte vor:


PR NEO 152 - Der Feind meines Feindes (Kai Hirdt)

sowie aus dem klassischen Zyklus:

212 - Die Mikro-Festung (W. Voltz)
213 - Giganten am Südpol (H.G. Ewers)
214 - Der Kampf um die Pyramiden (K. Mahr)
215 - Endstation des Grauens (H.G.Ewers)
216 - Aufbruch der Oldtimer (W. Voltz)
217 - Gefahr aus der Vergangenheit (K.H. Scheer)
218 - Brennpunkt Twin (H.G. Ewers)
219 - Teleporter Achtung! (K. Mahr)
220 - Der Tod von den Sternen (C. Darlton)
221 - Verschleppt nach Andro-Alpha (W. Voltz)
222 - Die Doppelgänger von Andromeda (K.H. Scheer)
223 - Die fünfte Kolonne (H.G. Ewers)
224 - Agenten gegen das Imperium (C. Darlton)
225 - Rendezvous im Weltall (K. Mahr)
226 - Die Parasprinter (K.H. Scheer)

Den Anfang machte ich diesmal mit der NEO-Staffel

Die zweite Insel

Tja, was soll ich zu diesem Band sagen. Er hinterließ mich fasziniert und ratlos zugleich. Ich mag Kai Hirdts Sprache, seine Wortwahl und vor allem die Art und Weise, wie er Eric Leyden im Griff hatte.

Kai Hirdt schildert ein verschrobenes Genie außerhalb seiner gewohnten Umgebung und zeigt uns so ganz neue Seiten dieser, wie ich finde, ausgesprochen faszinierenden Figur.

Der Absturz auf einem Planeten, der sich dann als Gefängnis entpuppt ist klassischer SF-Stoff, wie er auch schon unter Captain Kirk zu sehen war. Nichts wirklich Neues, aber echt gut umgesetzt. Selten habe ich so einen großartigen Raumschiffabsturz erlebt, seit die Untertassensektion der Enterprise D durch den Wald gepflügt ist.

Und dann kam der "From Dusk Til Dawn Augenblick" des Romans. Plötzlich haben wir es mit harter, direkter Gewalt und Hinrichtungen zu tun. Starker Tobak, ich war verstört. Wie viel mag hier Exposé und wie viel Autor gewesen sein? Mir war es ein wenig over the top. Nach der Lektüre der Klassiker habe ich aber meinen Frieden mit der Szene gemacht. Schließlich kracht es da auch sehr ordentlich, das scheint wohl zum Zyklus zu gehören. Nun gut.

Der Titel des Bandes erinnerte mich übrigens im Nachhinein an die Aktionen der Akonen in der klassischen Serie: Der Feind meines Feindes - die Akonen wollen mithilfe der Methans die Menschen besiegen.

Die Meister der Insel

Mit der Verkleinerung von Perry und seinen Kumpels scheint die Horror-Springerei zur jeweiligen Falle der Woche ja nun ein Ende genommen zu haben.

Wobei ich mit der Verkleinerungssache immer noch nicht ganz zurechtkomme. Wenn ich einen Körper um das 1000-Fache komprimiere, bekomme ich irgendwann ein thermodynamisches Problem. Sollte ich das umgehen wollen, indem ich die Atome einfach mit verkleinere, kriege ich irgendwann ein quantenphyasikalisches Problem. Das wiederum hätte wohl deutliche Auswirkungen auf ein paar Konstanten und damit auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

In den Heften wird das ganze mit so einer Art Potentialkompensator erklärt. Klingt verdammt nach Fluxkompensator und ist wahrscheinlich ähnlich magisch.

Wurst. Nun sind sie ja alle wieder groß und treffen auf einen Gegner, vor dem sogar der halbgottgleiche Atlan feuchte Hände kriegt. Nicht schlecht und schön langsam aufgebaut.

Gut gefallen hat mir auch die Verzahnung mit der scheinbaren Serienvergangenheit im Methankrieg (wobei man sich in der damaligen Autorenschaft offenbar nicht einig war, ob die Methans nun Methan oder Wasserstoff atmen.) Auch das Aufnehmen alter Handlungsschauplätze und bereits vorhandener Techniken war fein.

Alles in allem hatte ich bei den gelesenen Heften den Eindruck, dass alles sehr viel runder und besser aufeinander abgestimmt abläuft, als in den ersten "Zyklen". Ich kann mittlerweile schon nachvollziehen, wie großartig das auf damalige Leser gewirkt haben könnte, und bin gespannt, was da noch so kommt.

Bis jetzt sind die Meister der Insel ja nur ein drohender Schatten.

Ein Kind seiner Zeit

Als ein Symptom seiner Entstehungszeit hat Karl Herbert Scheer den klassischen MdI-Zyklus einmal bezeichnet.

Auch wenn man die Handlungsgänge des klassischen Zyklus und der Neuinterpretation nur schwer miteinander vergleichen kann - in diesem Stadium zumindest, so bietet Scheers Einschätzung meiner Meinung nach einen guten Aufhänger für einen Vergleich.

Den klassischen Heften ist in jeder Zeile der Sturm und Drang, das technische Vorwärtsstreben der 60er anzumerken. Es geht immer weiter. Egal, wie groß die Hindernisse sind, die Terraner packen das.

Und in Perry Rhodan NEO? Das glatte Gegenteil! Alles ist kaputt oder kurz davor auseinanderzubrechen. Die Lage ist komplett aussichtslos. Alles Mist, denn der Feind lauert überall. Das scheint so ein bisschen die Grundstimmung des frühen 21. Jahrhunderts unserer Realität zu sein, oder?

Aber hält gute Science Fiction ihrer jeweiligen Entstehungszeit nicht immer den Spiegel vor? Wie war das denn mit Battlestar Galactica und seinem Remake, oder Kirk, Picard, Sisko und Archer ...

Ad Astra und bis demnächst.






Donnerstag, 20. Juli 2017

Ein Symptom des kalten Krieges


Der Kalte Krieg zwischen Ost und West führte zum Beinahe-Druck auf den Roten Knopf der Fernraketen. Der MdI-Zyklus war ein Symptom der Zeit, in der er geschrieben wurde. (K.H. Scheer im Werkstattband)

Der Zufall wollte es, dass ich mich vor einigen Tagen genau da aufhielt, wo noch vor wenigen Jahren ein undurchdringlicher Zaun, der eiserne Vorhang, Europa geteilt hat. Heute ist der zum Glück abgebaut, und ich kann mich frei über die grüne Grenze von Österreich nach Ungarn bewegen.
Was lag also bei meiner derzeitigen Lektüre näher, als ein wenig auf Spurensuche zu gehen, und einen Teil des MdI-Zyklus genau dort zu lesen - am ehemaligen Eisernen Vorhang.

Nachdem im Jahr 1920 im Vertrag von Trianon über die Zukunft Österreich-Ungarns entschieden worden war, fanden im Jahr 1921 im österreichischen Burgenland noch eine Reihe von Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit einzelner Orte zu den neu gebildeten Staaten Österreich und Ungarn statt. Nach diesen Volksabstimmungen konnte die Grenze im Jahr 1922 markiert werden. Viele dieser Steine stehen, wie hier zwischen Mörbisch und Fertőrákos, immer noch:

Ein Grenzstein aus dem Jahr 1922

Wo nach dem Zweiten Weltkrieg ein hoher Zaun die beiden Dörfer bis 1989 voneinander trennte, ist heute wenig mehr zu sehen, als ein verwilderter Grünstreifen, aus dem ab und an ein verwittertes Schild ragt und an vielen Stellen führen Feldwege über die ehemalige Grenze.

Der ehemalige eiserne Vorhang im Jahr 2017

An einem dieser Feldwege steht eine Bank, auf der ich mich niederließ, um "Auf den Spuren der Crest" von H.G. Ewers" und "Geheimwaffe Horror" von K.H. Scheer zu lesen - zum Entstehungszeitpunkt der beiden Romane unvorstellbar, für mich ein besonderes Leseerlebnis.

Ein "Symptom des Kalten Krieges" am ehemaligen Eisernen Vorhang

Montag, 17. Juli 2017

Andromedings - Eine Rückschau am offenen Hefte - Teil 1

ES, irgendwelche Kosmokraten, NEO-Expokraten oder schlicht der Zufall wollten es, dass ich sowohl den klassischen Zyklus "Die Meister der Insel" als auch die Perry-Rhodan-NEO Staffel "Die zweite Insel" parallel lesen kann. Beides zum allerersten Mal, was mir vor einigen Wochen auch schon ein signiertes Plakat zu NEO 150 eingebracht hat. Vielen Dank noch mal nach Rastatt.

Nach der Niederlage von Iratio Hondro kann es nun also endlich losgehen. Ich habe mir vorgenommen, bei diesem Zyklus nicht nur meinen Abschlusseindruck zu hinterlassen, sondern immer mal wieder zwischendurch kurz innezuhalten und ein wenig meine Eindrücke zu schildern.
Mein Vorwissen zum klassischen MdI-Zyklus beschränkt sich auf einige prominente Schlagworte, wie "Faktor", "Icho Tolot", "Mirona Thetin". Bei Neo habe ich zwar alle Texte da (alte Sammlerseele ...), bin aber irgendwo nach der dritten Staffel ausgestiegen und habe fortan nur noch wenige Einzelbände gelesen, habe also auch mit Sicherheit einige recht große Wissenslücken.

Doch nun genug der Vorrede.

Die klassischen Meister der Insel

Im klassischen Zyklus bin ich in den letzten Tagen bis zum Band 211 vorgedrungen. Im Einzelnen kenne ich bis heute folgende Hefte:

200 - Die Straße nach Andromeda (K. H. Scheer)
201 - Sternstation im Nichts (Kurt Mahr)
202 - Die Retter der Crest (Clark Darlton)
203 - Die Stadt der Verfemten (William Voltz)
204 - Das Drung (Kurt Brand)
205 - Der Wächter von Andromeda (H. G. Ewers)
206 - Die Schrecken der Hohlwelt (Kurt Mahr)
207 - Die 73. Eiszeit (William Voltz)
208 - Die blauen Herrscher (Kurt Brand)
209 - Im Banne der Scheintöter (Clark Darlton)
210 - Auf den Spuren der Crest (H.G. Ewers)
211 - Geheimwaffe Horror (K. H. Scheer)

Stark fand ich Band 200, der mit Icho Tolot einen Charakter brachte, der im Gegensatz zu Lemy Danger von der ersten Zeile an funktioniert hat und nicht bloß am Rand herumsteht und auf seinen Partner schimpft (Pfirsich Melbar ist ja immer noch dabei. Upsi. Wie hat der das denn geschafft?)
Und das Sonnensechseck war natürlich auch eine großartige Idee.
Ein wenig rätselhaft bleibt für mich das Motiv des Sprungs nach Andromeda. Zwar gab es da bei den Blues mal ein paar Andeutungen, aber das Hauptmotiv scheint doch zu sein: "Hey cool das ist unmöglich, lass mal machen" - im Grunde also die von Atlan schon oft zitierte nicht zu bremsende Entdeckungslust der Terraner. Nun gut, sei es so, in der Milchstraße wäre bestimmt auch noch Platz gewesen.

Was dann folgt, ähnelt der klassischen Computerspieldramaturgie. Man landet, weil das Triebwerk fehlt, nicht direkt in Andromeda, sondern auf einer Zwischenstation, die sich - wie könnte es anders sein - schnell als Falle entpuppt, der es zu entrinnen gilt. Level für Level geht es durch die einzelnen Fallen, bis es ein wenig langweilig wird, und die Level in der Hohlwelt sogar räumlich greifbar werden. Das hat mich ein wenig an das Motiv der 25 Unsterblichkeitseier erinnert.
"Lass mal was verstecken, Karl Herbert."
"Ist klar Walter, dann können wir das so lange ziehen, wie es uns passt."
Dramaturgisch unschön, aber Rettung naht, Perry und seine Kumpels landen in einer Falle, die sie winzig werden lässt, und der sie nicht innerhalb von 64 Seiten entfliehen können. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bis jetzt empfinde ich den Zyklus als leicht verdauliche Abenteuerkost mit ein wenig Foreshadowing (immerhin wurde die Existenz ominöser Meister schon mal angedeutet), allerdings weit davon entfernt, einen Legendenstatus zu rechtfertigen.

Vermutlich bin ich zu unsentimental. Mal schauen, wann die Handlung endlich Fahrt auf- und das Fallengehoppse abnimmt.

Was mir richtig gut gefallen hat, waren die Hefte von Kurt Mahr. In den vorangegangenen Zyklen konnte ich mit seinen Romanen wenig anfangen, vor allem, wenn er sich in die Bekämpfung irgendwelcher Aufständischer verstiegen hat. Das war mir viel zu autoritär und atmete doch schon sehr den Geist der konservativen frühen Sechziger. Ganz anders bei den Meistern der Insel. Hier darf er wieder der Physiker vom Dienst sein, und schafft es sogar, die Grundlagen der Kernchemie in einen Roman einzubauen. Das hat mir gut gefallen, so darf das gern weitergehen.

Ein Blick nach Neodromeda

Nach elf Heften in zwei Tagen habe ich eine kleine Perrypause eingelegt, und mich folgenden NEO-Heften gewidmet:

150 - Sprung nach Andromeda (Rüdiger Schäfer)
151 - Werkstatt im All (Arno Endler)

Dabei gehört Band 150 pro forma ja noch zum vorangegangenen Zyklus. Da Rüdiger Schäfer den Band aber in einem Interview selber als einen Übergangsband außerhalb der starren Reihenfolge bezeichnet hat (wenn auch nicht wörtlich, sondern eher sinngemäß) gehört er für mich zum Andromedazyklus. Das wird der Herr Rhodan schon verschmerzen.

Band 150 zeichnet einerseits das aus, was ich in den ersten drei NEO-Staffeln wirklich toll fand. Herr Rhodan ist keine Abziehfigur eines Superhelden, sondern ein Mensch mit Ecken, Kanten und Fehlern. Exemplarisch möchte ich nur die Stelle am Anfang nennen, an der Rhodan bei der Aufzählung seiner Familie seinen Stiefsohn vergisst, und diesem damit große seelische Schmerzen zufügt. (Was? Wie? Perry hat einen Stiefsohn? Ich muss da glaub ich mal was nachlesen. Wie passiert den so was?)
Von einer zerstörten Erde (Häh! Ich muss echt mal nachlesen. Bald sind ja wieder lange Winterabende) brechen Perry und seine Kumpels nach Andromeda auf. Die Motivation bleibt mir zunächst etwas unklar. Kann es nicht auch in der Milchstraße eine neue Heimat geben? Muss man dazu gleich so weit weg? (Jaha, ich werd das nachlesen, ist gut jetzt!) Erst im Nachfolgeband steht dann was davon, dass man Atlan und Mirona Thetin finden müsse (Häh? Die gibt es im Neoversum schon? Herr, lass Winter werden, ich muss lesen ...)

Nach all der Menschelei folgt dann andererseits ein klassisches Abenteuer, das mich von seiner Struktur her doch stark an klassischen Perry Rhodan erinnert hat. Das Raumschiff wird scheinbar vom Alien der Woche gekapert, es rumst ordentlich und am Ende war alles ganz anders. Viel perryöser geht es nicht. Ich habe mich zeitweise wie in einem Crossover aus "Aliens" und "Tribbles" gefühlt und musste doch das eine oder andere Mal an PR 209 - Im Banne der Scheintöter denken; nur diesmal mit Spinnen statt mit gelben Äffchen.

Schöner Auftakt, wenn mir auch Icho Tolot fehlt, von dem ich weiß, dass es ihn im Neoversum schon gibt. Dafür ist Eric Leyden mit an Bord - dieser uneheliche Sohn von Sheldon Cooper und Gregory House. Großartiger Charakter und so viel plastischer und noch viel nerviger als sein Namensvetter Tyll Leyden aus dem klassischen Perryversum. In meinen Augen ist der frühstücksgeile Katzennarr ein absoluter Höhepunkt des Neoversums.

Etwas ratlos ließ mich dann Band 151 zurück. Zwar ist mir KA-preiswert namentlich aus dem Perryversum bekannt, trotzdem fehlt mir hier eine direkte Vergleichsmöglichkeit. Mal schauen, wann KA-preiswert im klassischen Zyklus auftaucht.
Meiner Meinung nach krankte das Heft ein wenig daran, was vielen NEOs gern vorgeworfen wird: ist Perry Rhodan einfach nur doof oder komplett verzweifelt? Ich lass doch niemanden an meiner Karre rumschrauben, den ich nicht kenne und irgendwas einbauen, wovon ich keine Ahnung hab. Und schon mal gar nicht, wenn ich mal eben in der Nachbargalaxie bin. Sollte Rhodan verzweifelt sein, kam mir persönlich da nicht genug durch. Sollte der NEO-Rhodan einfach nur doof sein, fände ich es schon fast wieder cool. Man überlege nur mal, mit welcher Hemdsärmeligkeit der Klassikrhodan in den ersten 199 Romanen durchs all düst und mal eben Imperien aufbaut und zerschlägt. Ein bisschen doof ist das doch auch, oder?

Wurst, in NEO 151 gefiel mir das Dauergeflirte. Endlich mal Sex and Crime nach 211 Heften 60er-Prüderie. Ich hab die Szenen um den hilflosen Tim Schablonski, seine außerirdische Verehrerin und seine eifersüchtige Freundin gern gelesen.

Lassen sich "Die Meister der Insel" und "Die zweite Insel" vergleichen?

Vergleichen lässt sich bekanntlich alles miteinander. Fraglich ist nur, ob das auch sinnvoll ist. Schließlich haben sich das Perryversum und das Neoversum einfach viel zu weit auseinanderentwickelt.
Bis jetzt habe ich nicht das Gefühl, einen Abklatsch oder ein billiges Remake zu lesen. Vielmehr startet mit Band 150 wohl eine spannende SF-Geschichte über 10 Bände, die sich bekannter Motive aus den Meistern der Insel bedient. Wie geschickt, spannend und unterhaltsam das wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

Derzeit liegen die Hefte bis 220 sowie NEO 152 von Kai Hirdt auf meinem Tisch. Mal schauen, wann ich das nächste Mal Rückschau halte.

Samstag, 15. Juli 2017

Neuer Rekord und aktuelle Lieblingsstelle

Tadaaa - ich habe es es tatsächlich geschafft, sechs Perry-Rhodan-Romane an einem Stück zu lesen. Im Moment habe ich sehr viel Ruhe, komme viel zum Lesen und habe schon mehrfach angepeilt, mal einen Tag nur, oder vornehmlich mit den alten Heften zuzubringen. Aber irgendwie war immer nach vier Heften Schluss, weil der Badesee gerufen hat.
Heute war es bewölkt, Zeit genug also, einen Sprung nach vorne im Zyklus um die Meister der Insel zu tun.
Meinen Tag versüßt haben folgende Hefte:

206 - Die Schrecken der Hohlwelt
207 - Die 73. Eiszeit
208 - Die blauen Herrscher
209 - Im Banne der Scheintöter
210 - Auf den Spuren der Crest
211 - Geheimwaffe Horror

Sechs mal Meister der Insel - Das war ein feiner Nachmittag

Letzter Band aus der Feder von Karl Herbert Scheer enthält auch meine aktuelle Lieblingstextstelle:

Wir waren ein gutes Team. Ein halutischer Überriese mit den Fähigkeiten eines hochintelligenten Monstrums, ein verwegener, alles riskierender Terraner mit dem Verstand eines Hochschulprofessors und dem Leichtsinn eines Schuljungen - und ein abgedankter Arkonidenimperator und ehemaliger Flottenadmiral, der schon viel zu lange gelebt hatte, um das Unheil nicht kommen zu sehen.

Großartiger Stoff! Und dass ich mal Zeilen von Scheer zu meinen aktuellen Lieblingszeilen machen würde ...
Überhaupt ist da in meiner persönlichen Autorenwahrnehmung einiges in Bewegung, aber das ist ein anderer Blogpost. Jetzt werde ich erst mal - wie schon angekündigt - auf Perry Rhodan Neo umschwenken.

Martina fehlt

Zum ersten mal habe ich einen Post zuerst auf Facebook veröffentlicht, und dann hier. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich ein hochauflösendes Foto für den Beitrag brauchte, das mir die Blogger-App nicht bietet. Und ich war einfach so neugierig, dass ich nicht bis abends warten wollte.
Dafür gibts den Artikel aber jetzt hier im Nachtrag komplett:



Beim Lesen von Band 205 - Der Wächter von Andromeda von H.G. Ewers (Erstausgabe) bin ich auf den gezeigten Text gestoßen. Es ist eine Eintragung mit Kugelschreiber, die sich schräg über den gedruckten Text auf Seite 51 zieht.

Folgende anonym verfasste Gedanken eines Heftvorbesitzers konnte ich entziffern:

tasten
und ganz festhalten
der Körper von Martina
im roten Kleid
Ihre Schenkel
Liebe
Vergessen
Begeheren

Martina fehlt [?]

31.8.70[?]


Martina fehlt - Das Werk eines anonymen Meisters

Ganze ehrlich: Wenn man seine Perry-Rhodan-Erstausgabe so verziert, muss Martina ja ein heißer Feger sein ...

Mittwoch, 12. Juli 2017

Zyklusrückblick: Das zweite Imperium

Das zweite Imperium ist Geschichte. Lesegeschichte. Nach einem kleinen urlaubsbedingten Sprint konnte ich heute Band 199 aus der Hand legen. Wie schon im vorangegangenen Zyklus habe ich das letzte Heft am Wasser genossen, was allerdings eher einem Zufall, als einer Absicht gleichkommt.

Wie war es denn?

Das zweite Imperium war in meinen Augen bis jetzt der wechselhafteste Zyklus. Nicht nur, dass man als Leser drei Zyklen in einem geboten bekommt (plus einen Einzelroman), was natürlich der nachträglichen Einteilung der ersten Hefte in Zyklen geschuldet ist; vielmehr empfand ich "Das zweite Imperium" als den dramaturgisch schwächsten Zyklus bisher. Lesephasen größter Faszination wechselten sich mit solchen allergrößter Verwunderung ob der verschenkten Spannung ab.

Was hat mir gefallen?

Die Blues waren großartig. Das Treffen mit den Gatasern, abschätzig auch Tellerköpfe genannt, war feinste Science Fiction voller Erstkontakte, Raumgefechte und Spionagegeschichten. Den Teil habe ich echt gern gelesen. Interessanterweise werden die Blues bei ihrem ersten Auftreten nicht "Tellerköpfe" genannt, wie es sonst der Fall ist. Kurt Mahr führt die Spezies als Schüsselköpfe ein, was auch ganz gut zu den ersten Innenillustrationen Johnny Brucks passt. Die charakteristische Tellerform der Blues-Köpfe taucht erst auf späteren Covern auf. (Ach ja, immer wenn von "Blueskommandos" oder Ähnlichem die Rede war, musste ich unweigerlich an Musik denken. Netter Nebeneffekt.)

Sehr großartig war in meinen Augen auch die Figur des Iratio Hondro, dem Separatistenanführer von Plophos. Die Geschichte auf Plophos fand ich dramaturgisch zum richtigen Zeitpunkt eingebaut. Es ist in meinen Augen durchaus glaubwürdig, wenn ein expandierendes Imperium irgendwann von innen heraus beginnt zu kolabieren.
Gegen Ende zog sich die Hondro-Geschichte ein wenig. Da hatte ich bei zwei, drei Bänden schon das Gefühl, sie existieren nur, um ein paar Lücken bis zum Band 200 zu füllen.
Dafür war das Ende von H.G. Ewers wieder ein Kracher. Gleich in seinem Debutroman  "Die letzte Bastion" verlegt Ewers den Kampf um Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs in die plophosische Zukunft. Der Diktator Iratio Hondro sitzt führergleich in seinem Bunker, erteilt sinnlose Befehle, während um ihn herum die Welt untergeht. Bruno Ganz im Groschenroman. Ganz großes Kopfkino! Danach werden eine provisorische Militärregierung eingerichtet und freie Wahlen vorbereitet. Das ist deutsche Geschichtsaufarbeitung 20 Jahre nach Kriegsende.
Wahrlich interessant zu lesen.

Was hat mir nicht gefallen?

Der Anfang - Die ersten paar Hefte entbehren für mich jeder nachvollziehbaren Dramaturgie. ES versagt die Zelldusche und schmeißt ne Runde Zellaktivatoren. Dummerweise nur 25 Stück, die Jagd beginnt. Tolle Ausgangssituation. Doch was passiert: Perry und Bulli erhalten ihre relative Unsterblichkeit in den ersten zwei Bänden zurück. Laaaaangweilig. Danach wird mit schöner Regelmäßigkeit pro Heft eins der Unsterblichkeitseier gefunden und irgendjemandem verliehen. Zum Glück bricht dieser Teil recht schnell ab und die Blues tauchen auf. Puhhh.....

Und wer bitte ist Lemy Danger? Zusammen mit seinem dicken Kumpel sollten die beiden wohl in einer Reihe mit Atlan oder Gucky stehen. Zumindest kommen sie in den ersten 15 Romanen gefühlte 20 mal vor. Und gefühlte 25 musste ich lesen, dass die zwei sich nicht abkönnen, obwohl sie sich eigentlich innig lieben. Jeder Roman mit den beiden fing mit diesen Schilderungen an, in denen der eine den anderen niedermacht. Ist das 60er-Humor? Keine Ahnung. Obwohl ich die Siganesen ein recht interessantes Konzept finde und Lemy Danger immerhin solche legendären Titel wie "Lemy und der Krötenwolf" ermöglichte, war ich froh, dass Lemy irgendwann in der Versenkung verschwand. Scheer hat wohl gemerkt, dass das Duo nicht gezündet hat.

Tja, und als ich gerade dachte, dass der Zyklus ein versöhnliches Ende findet, haut Scheer mir mal eben in einem Band den Untergang von Arkon III und die Hochzeit Perry Rhodans um die Ohren. Was bitte soll denn das? Selten so viel verschenktes Potential vor einem Zeitsprung von 70 Jahren gelesen. Ich war echt enttäuscht, vor allem vor dem Hintergrund des völlig unspannenden Anfangs.

Wie lautet mein persönliches Fazit?

Das zweite Imperium war durchwachsen. Neben ein paar tollen Einzelromanen und viel Potential blieb mir einfach zu viel Spannung liegen. Deshalb mal ein hoch auf die heutigen Expokraten. Die modernen Zyklen sind sehr viel komplexer und sehr viel durchdachter.
Einen direkten Vergleich zwischen Alt und Neu, wenn auch der etwas anderen Art werde ich ja beim nächsten Zyklus haben, wo ich die Urfassung und die Neo-Fassung parallel lesen werde.